Rheinland-Pfalz geht bundesweit einen neuen Weg in der Bestattungskultur: Als erstes Bundesland erlaubt es Beisetzungen in Flüssen. Seit Inkrafttreten des reformierten Bestattungsgesetzes im September sind Flussbestattungen rechtlich möglich – zunächst im Rhein, perspektivisch auch in Mosel, Lahn und Saar. Doch trotz großer Aufmerksamkeit bleibt die Nachfrage bislang überschaubar.
Ein Mainzer Unternehmen erhielt als erstes die behördliche Genehmigung für Flussbestattungen im Rhein. Geschäftsführer Sebastian Trüb berichtet, dass sich viele Menschen zwar informieren, konkrete Aufträge aber noch selten sind. „Es gibt Interesse, aber die meisten Familien holen sich erst einmal grundsätzliche Informationen“, sagt er. Für viele bleibe der Friedhof weiterhin der klassische Ort der letzten Ruhe.
Die Flussbestattung ist streng geregelt. Zum Einsatz kommen spezielle Urnen aus Zellulose, die sich im Wasser rasch auflösen. Die Beisetzung darf nur auf festgelegten Flussabschnitten und nicht in Ufernähe, von Brücken oder Stegen aus erfolgen. Zudem muss der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz in Rheinland-Pfalz gehabt haben und eine schriftliche Verfügung für diese Bestattungsform hinterlassen haben. Der genaue Ort wird dokumentiert und mit GPS-Koordinaten festgehalten.
Auch die Behörden prüfen jede Genehmigung sorgfältig. Dabei geht es unter anderem um den Schutz der Gewässer: Nur wenn ausgeschlossen ist, dass Umwelt und Wasserqualität beeinträchtigt werden, darf eine Flussbestattung stattfinden. Besonders in kleineren Flüssen wie der Mosel spielen Faktoren wie Fließgeschwindigkeit und Staustufen eine wichtige Rolle.
Der Bestatterverband Rheinland-Pfalz begrüßt die neuen Möglichkeiten grundsätzlich, warnt aber vor Unsicherheiten. Viele Details sollen erst in einer noch ausstehenden Verordnung geregelt werden. Bis dahin herrsche bei manchen Betrieben ein Schwebezustand. Einen großen Ansturm auf neue Bestattungsformen erwartet der Verband jedoch nicht. Die meisten Menschen würden weiterhin traditionelle Wege wählen.
Die Flussbestattung bleibt damit vorerst eine besondere Alternative – für Menschen, die sich bewusst eine letzte Ruhe im Wasser wünschen und dies zu Lebzeiten festgelegt haben.