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Wirtschaftsweise fordern Reformen: So ungleich ist Deutschlands Reichtum verteilt

Die Vermögensverteilung in Deutschland sorgt erneut für politische und gesellschaftliche Debatten. Auslöser ist unter anderem der Vorschlag der SPD, die Erbschaftssteuer zu reformieren und großzügige Ausnahmen für große Betriebsvermögen zu begrenzen. Doch Kritik an der bestehenden Ungleichheit kommt längst nicht mehr nur aus dem linken politischen Spektrum. Auch konservative Stimmen und renommierte Wirtschaftsexperten schlagen Alarm.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, besser bekannt als die Wirtschaftsweisen, bezeichnet die Vermögensverteilung in Deutschland als problematisch. Im internationalen Vergleich sei sie besonders ungleich. Nach Ansicht der Experten könnte eine Reform der Erbschaftssteuer sowie eine gezielte Förderung des Vermögensaufbaus für einkommensschwächere Haushalte dazu beitragen, diese Schieflage zu verringern.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht das Ausmaß: Nach Daten der Deutschen Bundesbank besitzt das reichste Zehntel der Bevölkerung rund 54 Prozent des gesamten Nettovermögens. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung kommt dagegen gerade einmal auf drei Prozent. Die mittleren 40 Prozent teilen sich die verbleibenden 44 Prozent. Immobilien spielen dabei eine zentrale Rolle. Wohneigentum gilt in Deutschland als sogenanntes „Betongold“, ist jedoch überwiegend im Besitz der wohlhabenderen Bevölkerung. Steigende Immobilienpreise haben deshalb vor allem die Reichen begünstigt, während die unteren 50 Prozent kaum davon profitierten.

Historisch betrachtet nahm die Vermögensungleichheit vor allem in den 1990er Jahren und frühen 2000er Jahren stark zu. Laut dem World Inequality Report verlor die ärmere Hälfte der Bevölkerung in dieser Zeit rund zwei Drittel ihres Vermögensanteils. Seit etwa 2010 hat sich diese Entwicklung jedoch stabilisiert. Die Wirtschaftsweisen sprechen von einer seitdem weitgehend konstanten Ungleichheit, allerdings auf hohem Niveau.

Auch absolute Zahlen zeigen die Diskrepanz deutlich. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bezifferte das durchschnittliche Vermögen eines Erwachsenen im Jahr 2020 auf knapp 140.000 Euro. Der Median lag jedoch nur bei 22.800 Euro. Das bedeutet: Die Hälfte der Erwachsenen verfügte über weniger als diesen Betrag. Besonders drastisch ist die Situation für die untere Hälfte, die nach Abzug von Schulden im Durchschnitt lediglich rund 3.700 Euro Vermögen besitzt.

Am oberen Ende der Skala stehen die Superreichen. Die reichsten 1,5 Prozent der Bevölkerung gelten als Millionäre mit einem durchschnittlichen Vermögen von fast drei Millionen Euro. Da extrem große Vermögen in Befragungen oft nicht vollständig erfasst werden, dürfte die tatsächliche Ungleichheit sogar noch höher liegen.

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Frage, ob Rentenansprüche als Vermögen zählen. Werden gesetzliche und betriebliche Renten einbezogen, erhöht sich der Vermögensanteil der unteren 50 Prozent deutlich. Dies ändert jedoch nichts an der grundlegenden Erkenntnis: Deutschlands Reichtum ist sehr ungleich verteilt – und Reformen bleiben ein zentrales Thema der wirtschaftspolitischen Diskussion.

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