Japan und die Philippinen haben ein neues Verteidigungsabkommen unterzeichnet, das ihre sicherheitspolitische Zusammenarbeit deutlich ausweitet. Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen mit China in Ostasien und im Südchinesischen Meer soll der Pakt nicht nur die militärische Abschreckung stärken, sondern auch die gemeinsame Vorbereitung auf Naturkatastrophen verbessern.
Das sogenannte Acquisition and Cross-Servicing Agreement (ACSA) wurde in Manila von Japans Außenminister Toshimitsu Motegi und der philippinischen Außenministerin Theresa Lazaro unterzeichnet. Es ermöglicht beiden Ländern, bei gemeinsamen Militärübungen logistische Unterstützung wie Munition, Treibstoff, Lebensmittel und andere Güter steuerfrei bereitzustellen. Ziel ist es, gemeinsame Trainings effizienter zu gestalten und die Einsatzfähigkeit beider Streitkräfte zu erhöhen.
Hintergrund des Abkommens sind die zunehmenden territorialen Konflikte mit China. Sowohl Japan als auch die Philippinen haben seit Jahren Auseinandersetzungen mit Peking – Japan im Ostchinesischen Meer, die Philippinen im Südchinesischen Meer. Chinas verstärkte Präsenz durch Küstenwache, Marineeinheiten und künstlich aufgeschüttete Inseln sorgt in der Region für wachsende Besorgnis und birgt die Gefahr einer internationalen Eskalation, da beide Länder enge Bündnispartner der USA sind.
Nach der Unterzeichnung betonte Lazaro die Bedeutung des Völkerrechts und der Freiheit der Schifffahrt und des Überflugs, insbesondere im Südchinesischen Meer. Motegi erklärte, beide Seiten seien sich einig, einseitige Versuche abzulehnen, den Status quo durch Gewalt oder Zwang zu verändern – eine deutliche, wenn auch indirekte Kritik an Chinas Vorgehen.
Das neue Abkommen ergänzt bereits bestehende Sicherheitsvereinbarungen. Im Jahr 2024 hatten Japan und die Philippinen das Reciprocal Access Agreement (RAA) geschlossen, das die Stationierung von Truppen auf dem jeweiligen Staatsgebiet für größere gemeinsame Manöver, einschließlich Schießübungen, erlaubt. Dieses Abkommen trat im September in Kraft und markierte einen wichtigen Schritt hin zu engerer militärischer Kooperation.
Neben militärischen Aspekten umfasst die Zusammenarbeit auch zivile Bereiche. Japan kündigte zusätzliche Sicherheits- und Entwicklungshilfe für die Philippinen an, darunter den Bau von Schutzanlagen für Sicherheitsboote sowie den Ausbau der Internetversorgung in ärmeren Regionen im Süden des Landes, die früher von separatistischen Konflikten betroffen waren.
Beide Regierungen sehen das Abkommen zudem als Beitrag zu einer „freien und offenen indo-pazifischen Region“. Angesichts der zunehmend konfrontativen Begegnungen zwischen chinesischen und philippinischen Schiffen sowie wiederholter Zwischenfälle zwischen China und Japan unterstreicht der neue Pakt den gemeinsamen Willen, Stabilität, Sicherheit und die regelbasierte internationale Ordnung in der Region zu verteidigen.