Der Tod von 32 kubanischen Soldaten in Venezuela markiert einen tiefen Einschnitt für Kuba – politisch, militärisch und wirtschaftlich. In Havanna säumten Militärangehörige, Regierungsvertreter und Zivilisten den Weg vom Flughafen zum Verteidigungsministerium, um den Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen. Die Asche der Soldaten wurde mit militärischen Ehren empfangen, jede Urne mit der kubanischen Flagge bedeckt und neben einem Porträt des Verstorbenen platziert. Die Inszenierung sollte Stärke zeigen – doch hinter der Fassade liegt Verunsicherung.
Es handelt sich um den größten Verlust kubanischer Kämpfer durch US-Militäraktionen seit der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht 1961. Über sechs Jahrzehnte lang war es zu keiner vergleichbaren direkten Konfrontation gekommen. Dass die US-Spezialeinheit Delta Force militärisch überlegen war, überrascht kaum. Für die Angehörigen der Getöteten ist das jedoch kein Trost.
Besonders brisant ist, dass die kubanische Regierung nun offen einräumen musste, was sie jahrelang bestritten hatte: kubanische Geheimdienstoffiziere waren tief in den venezolanischen Machtapparat eingebunden. Kuba unterstützte Caracas nicht nur politisch, sondern teilte auch seine Erfahrungen im Machterhalt und in der Sicherheitsarchitektur. Die 32 Getöteten waren Teil dieser strategischen Allianz.
Nach dem Sturz von Nicolás Maduro gerät dieses Bündnis jedoch ins Wanken. Die neue venezolanische Führung sucht offenbar den Ausgleich mit Washington. Ein Telefonat zwischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez und US-Präsident Donald Trump sowie dessen überraschend wohlwollende Worte deuten auf eine neue Annäherung hin. Für Kuba bedeutet das: Der wichtigste regionale Verbündete könnte wegfallen.
Die Unsicherheit trifft Kuba in einer ohnehin schwierigen Phase. Das Land leidet unter Stromausfällen, Treibstoffknappheit und einer stagnierenden Wirtschaft. Der Tourismus hat sich seit der Pandemie nicht erholt, und die Unterstützung aus Venezuela war bislang ein zentraler Stabilitätsfaktor.
Dennoch gibt es Stimmen des Widerstands. Der 88-jährige Revolutionsveteran Víctor Dreke, einst Weggefährte von Fidel Castro und Che Guevara, sieht Parallelen zur Schweinebucht. Er betont, Kuba werde sich im Ernstfall verteidigen und sei vorbereitet. Staatliche Medien zeigen bereits zivile Reservisten im Waffentraining – ein Signal der Abschreckung.
Realistisch betrachtet wäre ein militärischer Konflikt mit den USA höchst ungleich. Doch für Kuba steht viel auf dem Spiel: politische Souveränität, wirtschaftliches Überleben und das Selbstverständnis der Revolution. Ob das Land den möglichen Verlust Venezuelas kompensieren kann, bleibt offen. Sicher ist nur: Das Bündnis hat Kuba einen hohen Preis gekostet.