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Israels „Yellow Line“ rückt weiter vor: Satellitenbilder zeigen neue Grenzverschiebungen im Gazastreifen

Israels Militär hat die sogenannte „Yellow Line“, die nach dem Waffenstillstand die Kontrolllinie im Gazastreifen markieren soll, in mehreren Gebieten weiter nach Osten verschoben. Das zeigen aktuelle Satellitenbilder, die von BBC Verify ausgewertet wurden. Die Entwicklung sorgt unter der palästinensischen Bevölkerung für große Verunsicherung, da sich die faktische Grenze offenbar mehrfach verändert hat – ohne offizielle Ankündigung.

Im Rahmen des von den USA vermittelten Waffenstillstands mit der Hamas hatte Israel zugesagt, seine Truppen hinter eine klar definierte Linie zurückzuziehen. Diese Linie ist auf Militärkarten gelb markiert und wurde vor Ort durch massive gelbe Betonblöcke sichtbar gemacht. Verteidigungsminister Israel Katz hatte im Oktober gewarnt, jeder, der diese Linie überschreite, werde unter Beschuss genommen. Seitdem kam es entlang der Markierungen zu zahlreichen tödlichen Zwischenfällen.

Nach Angaben von BBC Verify wurden in mindestens drei Gebieten – darunter Beit Lahia, Jabalia und das Viertel al-Tuffah in Gaza-Stadt – bereits platzierte Betonblöcke später erneut versetzt, und zwar tiefer in den Gazastreifen hinein. Insgesamt sollen 16 Positionen verändert worden sein. Allein im Stadtteil al-Tuffah wurden zwischen Ende November und Weihnachten mindestens sieben Marker um durchschnittlich fast 300 Meter verschoben.

Zusätzlich zu den verlegten Blöcken kartierte BBC Verify mehr als 200 weitere Markierungen. Mehr als die Hälfte davon liegt deutlich jenseits der ursprünglich auf Karten festgelegten Linie. Das israelische Militär weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher erklärte, die Yellow Line sei nicht verschoben worden; man passe die Markierungen lediglich an die „operativen Gegebenheiten vor Ort“ an.

Besonders problematisch ist, dass Teile der Yellow Line bis heute gar nicht markiert sind. Auf rund zehn Kilometern Länge fehlen die Betonblöcke vollständig. Für die Menschen vor Ort ist damit unklar, wo genau die Grenze zu dem von der israelischen Armee als „gefährliche Kampfzone“ bezeichneten Gebiet verläuft. Augenzeugen berichten von Angst, nächtlichem Beschuss und plötzlichen Truppenbewegungen.

Sicherheitsexperten wie Prof. Andreas Krieg von der King’s College London sprechen von „territorialem Engineering“. Durch die Diskrepanz zwischen Kartenmaterial und physischen Markierungen behalte Israel die Möglichkeit, den verfügbaren Lebensraum der palästinensischen Bevölkerung schrittweise zu verändern, ohne formell neue Grenzen zu verkünden. Andere Experten verweisen hingegen auf praktische Gründe wie Geländeformen oder zerstörte Infrastruktur.

Begleitet werden die Verschiebungen der Marker häufig von Abrissen und militärischen Aktivitäten jenseits der ursprünglichen Linie. Satellitenbilder zeigen zerstörte Wohnhäuser, Schulen und neue militärische Befestigungen. Mit Blick auf die bevorstehende zweite Phase des Waffenstillstands bleibt offen, ob und wann ein weiterer Rückzug erfolgt – und wo die Yellow Line am Ende tatsächlich verlaufen wird.

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