Über zwei Monate lang lebten Bewohner eines Hauses in Berlin-Mitte in eisiger Kälte – ohne funktionierende Heizung, ohne warmes Wasser, mitten im Winter. Erst nach 70 Tagen kehrte langsam wieder Wärme in die Wohnungen zurück. Für die verbliebenen Mieter ist das mehr als nur eine späte Erleichterung: Es ist das Ende einer zermürbenden Zeit, die sie als gezielte Schikane empfinden.
Nach Darstellung der Betroffenen wurde die Heizungsanlage bewusst außer Betrieb gesetzt. Die Temperaturen in den Wohnungen fielen teils auf ein kaum erträgliches Niveau. Heizlüfter, dicke Kleidung und improvisierte Lösungen ersetzten wochenlang das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Einige Mieter berichten von gesundheitlichen Beschwerden, andere davon, dass sie zeitweise bei Freunden oder Verwandten unterkommen mussten.
Hintergrund des Konflikts ist ein geplanter Neubau. Der Eigentümer des Hauses beabsichtigt offenbar, das bestehende Gebäude abzureißen und an gleicher Stelle ein hochwertiges Wohnprojekt zu errichten. Die noch verbliebenen Mieter stehen diesem Vorhaben im Weg – und fühlen sich systematisch unter Druck gesetzt, ihre Wohnungen aufzugeben. Die monatelang abgeschaltete Heizung gilt dabei als zentrales Mittel, um den Auszug zu erzwingen.
Mietrechtsexperten sehen in einem solchen Vorgehen einen klaren Verstoß gegen geltendes Recht. Vermieter sind verpflichtet, Wohnraum in einem bewohnbaren Zustand zu halten. Dazu gehört insbesondere eine funktionierende Heizung während der Heizperiode. Wer diese absichtlich abstellt, riskiert nicht nur Mietminderungen, sondern auch empfindliche rechtliche Konsequenzen.
In Berlin ist der Fall kein Einzelfall. Immer wieder berichten Mieter von ähnlichen Methoden, wenn lukrative Neubauprojekte geplant sind. Die Bezirke und der Senat stehen dabei zunehmend unter Druck, stärker gegen solche Formen der Verdrängung vorzugehen.
Für die Bewohner des Hauses bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Zwar funktioniert die Heizung nun wieder, doch das Vertrauen ist zerstört. Viele fragen sich, wie lange sie noch bleiben können – und ob der nächste Winter erneut zur Belastungsprobe wird. Klar ist: Der Streit um Wohnraum in der Hauptstadt wird härter, und für manche Mieter wird selbst Wärme zur Verhandlungssache.