Eine massive Winterfront bringt Deutschland in den kommenden Tagen an seine Belastungsgrenze. Schnee, Eis und Sturm sorgen nicht nur auf den Straßen für gefährliche Bedingungen, sondern treffen auch den Bahnverkehr empfindlich. Die Deutsche Bahn reagiert vorsorglich auf die angekündigte Wetterlage und schränkt ihr Angebot in mehreren Regionen deutlich ein.
Auslöser ist Sturmtief „Elli“, das ab der Nacht zum Freitag weite Teile des Landes erfasst. Vor allem im Norden und Nordosten werden bei anhaltendem Frost kräftige Schneefälle und starker Ostwind erwartet. In der Folge drohen Schneeverwehungen, vereiste Gleise und erhebliche Beeinträchtigungen im Betriebsablauf. Im Süden und Westen geht der Schnee dagegen vielerorts in Regen über, was die Gefahr von Glatteis zusätzlich erhöht.
Bereits ab Donnerstagnachmittag reduziert die Deutsche Bahn deshalb vorsorglich den Fernverkehr in besonders betroffenen Regionen. Zahlreiche Verbindungen nach Norddeutschland sind eingeschränkt, darunter Strecken nach Kiel, Rostock, Westerland auf Sylt sowie zur Ostseeinsel Rügen. Ziel der Maßnahme ist es, den Betrieb stabil zu halten und größere Störungen zu vermeiden, auch wenn dies für Reisende längere Wartezeiten oder Umplanungen bedeutet.
Zusätzlich greift die Bahn zu technischen Sicherheitsmaßnahmen. Auf mehreren Schnellfahrstrecken, darunter Berlin–Wolfsburg, Hannover–Würzburg und Köln–Rhein/Main, wird die Höchstgeschwindigkeit der ICE-Züge auf 200 Kilometer pro Stunde begrenzt. Hintergrund ist die Gefahr von Eisabwurf an Zügen bei höheren Geschwindigkeiten. Für Fahrgäste kann dies eine Verlängerung der Reisezeit von bis zu einer halben Stunde bedeuten.
Auch der Regionalverkehr dürfte unter dem Wintereinbruch leiden. Verspätungen, Zugausfälle und kurzfristige Änderungen sind möglich, insbesondere in Norddeutschland. Die Bahn appelliert an Reisende, sich vor Fahrtantritt regelmäßig über den DB Navigator oder die Internetseite des Konzerns zu informieren. Für Fahrkarten, die bereits für Reisen zwischen Donnerstag und Samstag gekauft wurden, gilt eine Kulanzregelung: Sie können flexibel zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden.
Neben der Bahn geraten auch andere Bereiche der Infrastruktur unter Druck. In Teilen Niedersachsens fällt der Schulunterricht aus oder wird auf Distanzbetrieb umgestellt. Winterdienste kämpfen mit Streusalz-Engpässen oder personellen Einschränkungen, während Krankenhäuser bereits von steigenden Zahlen an Glatteisverletzten berichten. In einigen Regionen wird sogar die Müllabfuhr ausgesetzt, weil Fahrzeuge auf vereisten Straßen nicht mehr sicher unterwegs sind.
Verkehrsminister und Landesbehörden rufen dazu auf, nicht zwingend notwendige Fahrten zu verschieben und deutlich mehr Zeit einzuplanen. Die kommenden Tage könnten für Pendler, Reisende und Verkehrsbetriebe zur Geduldsprobe werden. Fest steht: Die Schneewalze zwingt Deutschland in den Krisenmodus – und der Bahnverkehr ist mittendrin.