Der Tourismussektor in Jordanien steht weiterhin unter starkem Druck. Seit Beginn des Gaza-Krieges sind die Besucherzahlen spürbar eingebrochen – mit weitreichenden Folgen für Hotellerie, Gastronomie, Reiseveranstalter und viele kleine Betriebe, die direkt oder indirekt vom internationalen Tourismus abhängen. Für das Jahr 2026 setzt das Land nun auf eine langsame, aber nachhaltige Erholung.
Obwohl Jordanien selbst nicht Kriegspartei ist und im regionalen Vergleich als politisch stabil und sicher gilt, wirkt sich die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten massiv auf das Reiseverhalten aus. Viele internationale Gäste meiden derzeit die gesamte Region, unabhängig von der tatsächlichen Lage vor Ort. Reiseabsagen, sinkende Buchungszahlen und zurückhaltende Fluggesellschaften prägen seit Monaten das Bild.
Besonders schmerzhaft ist der Rückgang für klassische touristische Highlights. Die weltberühmte Felsenstadt Petra, einst eines der meistbesuchten Reiseziele des Landes, verzeichnet teils drastische Besucherrückgänge. Ähnlich ergeht es dem Wadi Rum, dem Toten Meer oder kulturellen Zentren wie der Hauptstadt Amman. Hotels berichten von niedrigen Auslastungen, einige Betriebe mussten Personal reduzieren oder zeitweise schließen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich. Der Tourismus ist ein zentraler Devisenbringer und Arbeitsplatzmotor. In ländlichen Regionen, etwa rund um Naturreservate oder historische Stätten, fehlt vielen Familien eine der wichtigsten Einnahmequellen. Entsprechend groß ist der politische und wirtschaftliche Druck, den Sektor wieder zu stabilisieren.
Für 2026 verfolgt Jordanien daher eine mehrgleisige Strategie. Geplant sind verstärkte internationale Werbekampagnen, gezielte Kooperationen mit Reiseveranstaltern sowie der Ausbau direkter Flugverbindungen aus Europa und Nordamerika. Zudem sollen neue Reiseformate – etwa nachhaltiger Tourismus, Kultur- und Abenteuertourismus oder Gesundheitsreisen rund um das Tote Meer – zusätzliche Zielgruppen ansprechen.
Branchenvertreter setzen vor allem auf Vertrauen. Die Botschaft lautet: Jordanien ist bereisbar, sicher und offen für Gäste. Sollte sich die geopolitische Lage im Nahen Osten entspannen, rechnen viele Experten mit einem Nachholeffekt. Zahlreiche Reisende hätten ihre Jordanien-Reise lediglich verschoben, nicht aufgehoben.
Ob 2026 tatsächlich zur erhofften Trendwende wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Für Jordanien steht viel auf dem Spiel. Eine Erholung des Tourismus wäre nicht nur ein wirtschaftlicher Lichtblick, sondern auch ein wichtiges Signal für Stabilität, Normalität und internationale Verbundenheit nach einer Phase großer regionaler Unsicherheit.