Kern der Kritik ist die aus Sicht des Handwerks offensichtliche Ungleichbehandlung im Wettbewerb. Während Backstationen in Supermärkten, Discountern und Tankstellen sonntags problemlos Brötchen und Backwaren aufbacken dürfen, gelten für klassische Handwerksbäckereien strenge Einschränkungen. Nach dem Arbeitszeitgesetz ist ihnen an Sonn- und Feiertagen lediglich erlaubt, bis zu drei Stunden lang Backwaren herzustellen und auszuliefern. Für einen regulären Verkaufsbetrieb reicht dieses enge Zeitfenster kaum aus.
Dittrich spricht von einer strukturellen Benachteiligung des Handwerks. Ausgerechnet diejenigen Betriebe, die auf handwerkliche Herstellung, regionale Wertschöpfung und persönliche Kundenbindung setzen, würden ausgebremst. Gleichzeitig profitierten große Handelsketten von Ausnahmeregelungen, obwohl dort meist industriell vorgefertigte Teiglinge verwendet würden. Das ursprüngliche Ziel des Sonntagsschutzes werde damit ad absurdum geführt.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Viele Bäckereien kämpfen bereits mit steigenden Energie- und Rohstoffkosten, Fachkräftemangel und sinkenden Margen. Der Sonntag gilt traditionell als umsatzstarker Tag, gerade für kleinere Betriebe und Bäckereien im ländlichen Raum. Fällt dieser Umsatz weitgehend weg, verschärft sich die wirtschaftliche Lage weiter – bis hin zu Geschäftsaufgaben und Filialschließungen.
Das Handwerk betont zugleich, dass es nicht um eine Abschaffung des arbeitsfreien Sonntags gehe. Gefordert werden stattdessen flexible, zeitgemäße Regelungen. Freiwillige Sonntagsarbeit, klare Arbeitszeitmodelle, tarifliche Zuschläge und verbindliche Ruhezeiten könnten nach Ansicht des Handwerks den Schutz der Beschäftigten sicherstellen, ohne den Betrieben wirtschaftlich die Luft abzuschneiden.
Die Debatte reicht damit weit über das Thema Brötchenverkauf hinaus. Sie berührt grundsätzliche Fragen nach der Zukunft des Arbeitszeitgesetzes und nach fairen Wettbewerbsbedingungen zwischen Handwerk und Handel. Bleibt die angekündigte Reform weiter aus, wächst im Handwerk die Sorge, dass traditionelle Bäckereien weiter Marktanteile verlieren – und mit ihnen ein Stück regionaler Versorgungs- und Handwerkskultur.