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NASA steht vor ihrer größten Bewährungsprobe seit Jahrzehnten: Artemis II kurz vor dem Start

ahundt (CC0), Pixabay

Die Rückkehr amerikanischer Astronauten zum Mond ist seit Jahrzehnten ein Traum, der immer wieder aufgeschoben wurde – wechselnde US-Regierungen machten mal Hoffnung, dann wieder Rückzieher. Doch 2026 könnte endlich der Wendepunkt kommen: Die Artemis-II-Mission steht vor dem Start und verspricht, das ambitionierteste Raumfahrtvorhaben der NASA seit der Apollo-Ära einzuleiten.

Mit Artemis will die NASA nicht nur Menschen zum Mond zurückbringen, sondern langfristig eine permanente Station auf der Mondoberfläche errichten – als Sprungbrett für spätere Missionen zum Mars. Der Start von Artemis II, der ersten bemannten Mission des Programms, ist frühestens für den 6. Februar 2026 vom Kennedy Space Center in Florida geplant.

Der erste Flug mit Crew seit Apollo 17

Die Mission wird das erste Mal seit der letzten Apollo-Mission 1972 sein, dass Astronauten den erdnahen Orbit verlassen. An Bord des Orion-Raumschiffs werden vier Astronauten sein: Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch (alle NASA) sowie Jeremy Hansen von der kanadischen Raumfahrtagentur CSA.

Anders als bei den Apollo-Missionen wird Artemis II nicht in eine niedrige Mondumlaufbahn eintreten, sondern den Mond auf einer weiten Umlaufbahn umrunden – ein Flugprofil, das speziell auf die Eigenschaften von Orion zugeschnitten ist.

Die Astronauten werden nicht auf dem Mond landen, aber neue Regionen beobachten, die bisher noch kein Mensch gesehen hat. Christina Koch erklärte:

„Wir könnten Teile des Mondes sehen, auf die noch nie ein menschliches Auge gefallen ist. Und wir lernen, wie wir diese Beobachtungen in echte Wissenschaft umwandeln.“

Test unter Extrembedingungen

Die Artemis-II-Mission dient vor allem dem Test der Systeme des Raumschiffs: Lebenserhaltung, Navigation, Kommunikation – alles wird im Flug unter realen Bedingungen erprobt. Im Notfall soll die Flugbahn so ausgelegt sein, dass die Kapsel auch ohne funktionierenden Antrieb sicher zur Erde zurückkehren kann.

Auch die Hitze beim Wiedereintritt ist eine Herausforderung. Beim unbemannten Testflug von Artemis I im Jahr 2022 zeigte der Hitzeschild von Orion unerwartete Abnutzung – Teile des Schutzmaterials lösten sich beim Wiedereintritt ab. Die NASA hat das Problem über ein Jahr lang analysiert und nachgebessert.

Lakiesha Hawkins von der NASA zeigt sich dennoch optimistisch:

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unsere Crew bei Artemis II sicher zur Erde zurückbringen.“

Wissenschaft im Zentrum

Neben technischen Tests wird Artemis II auch medizinische und wissenschaftliche Daten liefern. An Bord werden unter anderem Gewebeschips mit menschlichen Organproben sein, um zu erforschen, wie sich tiefer Weltraum auf den menschlichen Körper auswirkt – etwa auf Immunsystem, Schlaf, kognitive Leistung und Herz-Kreislauf-Funktionen.

Die Crew wird auch geologische Beobachtungen der Mondoberfläche durchführen – insbesondere der erdabgewandten Seite – und dabei Krater, Lavagebiete und andere Formationen dokumentieren. Diese Erkenntnisse sind für künftige Landungen essenziell.

„Die Wissenschaft von Artemis ist die Wissenschaft über uns selbst“, sagte NASA-Wissenschaftler Jacob Bleacher. „Wir werden lernen, wie sich der Mensch außerhalb des Schutzes der Erde verhält.“

Politischer Druck und das Rennen mit China

Die Mission findet vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen statt. In den USA gilt das Mondprogramm zunehmend als strategisch bedeutsam, auch wegen Chinas ehrgeizigem Raumfahrtprogramm. Artemis II wird daher auch als politisches Signal verstanden – und soll den Weg ebnen für Artemis III, die erste Landung am südlichen Pol des Mondes.

Die vierköpfige Crew wird während der rund zehntägigen Mission nicht nur passive Passagiere sein. Auch sie müssen Systeme überwachen, wissenschaftliche Experimente durchführen und ihre eigene Gesundheit dokumentieren.

Victor Glover wies zudem darauf hin, dass es Phasen völliger Isolation geben wird – etwa beim Vorbeiflug an der erdabgewandten Seite des Mondes:

„Für rund 45 Minuten haben wir keinerlei Funkkontakt zur Erde. Das ist die Phase, in der ich mir wünsche, dass alle 8 Milliarden Menschen da draußen mit uns mitfiebern.“

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