Dark Mode Light Mode
Schweres Explosionsunglück in der Schweiz mit Toten und Schwerverletzten
Interview: Prämienerhöhungen bei Versicherungen – was steckt dahinter und welche Rechte haben Versicherte?
Viele Tote in der Schweiz: Das berichtet das ORF

Interview: Prämienerhöhungen bei Versicherungen – was steckt dahinter und welche Rechte haben Versicherte?

stevepb (CC0), Pixabay

Interviewer:
Zum Jahreswechsel erhalten viele Versicherte Schreiben über steigende Versicherungsprämien. Das sorgt häufig für Unsicherheit. Herr Rechtsanwalt Blazek, warum kommt es überhaupt zu solchen Prämienanpassungen?

Rechtsanwalt Blazek:
Prämienanpassungen sind in der Versicherungswelt nichts Ungewöhnliches. Sie dienen dazu, den Versicherungsschutz über viele Jahre hinweg wertbeständig zu halten. Steigende Reparaturkosten, höhere medizinische Ausgaben oder die Inflation wirken sich auf die Leistungen der Versicherer aus. Damit diese Leistungen langfristig erbracht werden können, sind Anpassungen der Prämien oft unvermeidlich.

Interviewer:
Dürfen Versicherungen die Prämien einfach erhöhen, wie sie wollen?

Rechtsanwalt Blazek:
Nein, auf keinen Fall. Eine Prämienerhöhung ist nur dann zulässig, wenn sie vertraglich vorgesehen ist. Das heißt: In der Polizze oder in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen muss eine klare Prämienanpassungsklausel enthalten sein. Diese muss transparent und nachvollziehbar regeln, wann und auf welcher Grundlage eine Erhöhung erfolgen darf – etwa anhand eines Preisindexes oder eines fix vereinbarten Prozentsatzes.

Interviewer:
Gibt es bei bestimmten Versicherungsarten Besonderheiten?

Rechtsanwalt Blazek:
Ja, insbesondere bei Krankenversicherungen. Dort gelten gesetzlich besondere Schutzvorschriften für Versicherte. Prämienanpassungen sind zwar möglich, unterliegen aber strengeren Regeln und einer genaueren Kontrolle. Ziel ist es, Versicherte vor unangemessenen oder überraschenden Belastungen zu schützen.

Interviewer:
Viele empfinden höhere Prämien ausschließlich als Nachteil. Gibt es auch positive Aspekte?

Rechtsanwalt Blazek:
Durchaus. Prämienanpassungen verhindern eine sogenannte Unterversicherung. Ohne Anpassungen würde der Versicherungsschutz über die Jahre an realem Wert verlieren. Höhere Prämien sorgen also dafür, dass die vereinbarten Leistungen im Schadenfall tatsächlich ausreichen. Gleichzeitig stärken sie die langfristige Stabilität der Versicherungsunternehmen – was letztlich auch im Interesse der Versicherten liegt.

Interviewer:
Was können Versicherte tun, wenn die Prämie dennoch zu hoch wird?

Rechtsanwalt Blazek:
Es gibt mehrere Möglichkeiten. Je nach Vertragsgestaltung kann man einer Anpassung widersprechen, den Tarif ändern oder den Versicherungsschutz vorübergehend ruhend stellen. Wichtig ist aber: Ein vorschneller Versicherungswechsel sollte gut überlegt sein. Dabei drohen Nachteile wie höhere Einstiegsprämien, neue Gesundheitsprüfungen oder der Verlust von Altersrückstellungen – insbesondere bei Kranken- und Lebensversicherungen.

Interviewer:
Wie sollten Versicherte mit einem Prämienerhöhungsschreiben konkret umgehen?

Rechtsanwalt Blazek:
Zunächst ruhig bleiben und das Schreiben genau prüfen. Entscheidend ist, ob die Erhöhung auf einer zulässigen vertraglichen Grundlage beruht. Danach lohnt sich ein Vergleich mit alternativen Tarifen oder Angeboten – aber immer unter Berücksichtigung der langfristigen Folgen. Wer unsicher ist, sollte rechtlichen Rat einholen, bevor Entscheidungen getroffen werden.

Interviewer:
Ihr abschließender Rat an Versicherte?

Rechtsanwalt Blazek:
Prämienanpassungen sollten nicht reflexartig als Nachteil gesehen werden. Wer versteht, warum Prämien steigen und welche Rechte er hat, kann fundierte Entscheidungen treffen. Informieren, prüfen und vergleichen – das ist der beste Weg, dauerhaft gut und rechtssicher abgesichert zu bleiben.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Schweres Explosionsunglück in der Schweiz mit Toten und Schwerverletzten

Next Post

Viele Tote in der Schweiz: Das berichtet das ORF