Schwarzarbeit im privaten Haushalt ist in Deutschland deutlich weiter verbreitet als oft angenommen. Nach einem aktuellen Bericht des Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) werden neun von zehn Haushaltshilfen illegal beschäftigt. Hochgerechnet betrifft das rund vier Millionen Haushalte, in denen Reinigungskräfte, Putzhilfen oder andere Unterstützung ohne Anmeldung arbeiten.
Nachbarschaftshilfe als häufige Rechtfertigung
Als Hauptgrund für die fehlende Anmeldung nennen fast 35 Prozent der Befragten, dass es sich bei der Tätigkeit lediglich um Nachbarschaftshilfe handele. Viele Haushalte gehen offenbar davon aus, dass eine Anmeldung in diesen Fällen nicht erforderlich sei. Genau hier setzt die Kritik des Instituts an: Der Begriff der Nachbarschaftshilfe werde in der Praxis massiv überdehnt.
Nach Einschätzung der Studienautoren liegt echte Nachbarschaftshilfe nur dann vor, wenn gelegentlich und unentgeltlich geholfen wird – etwa beim Blumengießen, Einkaufen oder kurzfristigem Einspringen. Regelmäßiges Putzen, Waschen oder andere wiederkehrende Tätigkeiten gegen Bezahlung gelten hingegen eindeutig als Beschäftigungsverhältnis und sind sozialversicherungspflichtig.
Hohe Dunkelziffer mit Folgen für Staat und Beschäftigte
Die weit verbreitete Schwarzarbeit hat mehrere Konsequenzen. Dem Staat entgehen Milliardenbeträge an Steuern und Sozialabgaben, zugleich sind die Haushaltshilfen selbst unzureichend abgesichert. Wer illegal beschäftigt ist, hat im Krankheitsfall keinen Versicherungsschutz, keine Rentenansprüche und ist bei Arbeitsunfällen kaum geschützt.
Auch für die Auftraggeber birgt Schwarzarbeit Risiken. Bei Kontrollen drohen hohe Nachzahlungen und Bußgelder, zudem können Haushalte haftbar gemacht werden, wenn es zu Unfällen kommt.
Anmeldung oft einfacher als gedacht
Das IW weist darauf hin, dass legale Beschäftigung nicht zwangsläufig kompliziert oder teuer sein muss. Über das sogenannte Haushaltsscheck-Verfahren können Haushaltshilfen vergleichsweise unkompliziert angemeldet werden. Zudem gibt es steuerliche Vergünstigungen, mit denen ein Teil der Kosten zurückerstattet werden kann.
Fazit: Grauzone statt Ausnahme
Die Studie zeigt, dass Schwarzarbeit im Haushalt längst kein Randphänomen mehr ist, sondern gesellschaftlicher Alltag. Der häufige Verweis auf Nachbarschaftshilfe verdeckt dabei, dass viele Tätigkeiten klar über gelegentliche Gefälligkeiten hinausgehen. Das Institut fordert daher mehr Aufklärung, um rechtliche Unsicherheiten zu beseitigen – und um legale Beschäftigung im Haushalt stärker zu fördern.