Die deutsche Logistikbranche warnt eindringlich vor einer dramatischen Zuspitzung des Fahrermangels. Nach Angaben des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung fehlen bundesweit bereits mehr als 120.000 Lkw-Fahrer. Die Situation drohe sich in den kommenden Jahren weiter zu verschärfen.
Verbandsvorstand Dirk Engelhardt erklärte, jedes Jahr gingen bis zu 35.000 Fahrer in den Ruhestand, während lediglich etwa halb so viele Nachwuchskräfte nachrückten. Diese Lücke könne unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht geschlossen werden. Der Altersdurchschnitt in der Branche steige weiter, während junge Menschen den Beruf zunehmend meiden.
Fahrzeuge bleiben stehen, Aufträge gehen verloren
Die Folgen seien bereits deutlich spürbar. Engelhardt berichtet von Unternehmen, die Fahrzeuge stilllegen müssen, weil es an Personal fehlt. Andere Speditionen beteiligten sich nicht mehr an Ausschreibungen, da sie Aufträge personell nicht mehr zuverlässig abdecken könnten. Damit gerät nicht nur die Branche selbst, sondern zunehmend auch die Stabilität von Lieferketten unter Druck.
Betroffen seien sowohl Industrie als auch Handel. Verzögerungen bei Warenlieferungen, steigende Transportkosten und eine geringere Planungssicherheit könnten sich künftig stärker auf Verbraucherpreise und Versorgungssicherheit auswirken.
Forderung an die Politik
Der Verband sieht vor allem die Politik in der Pflicht, gegenzusteuern. Neben besseren Arbeitsbedingungen und einer attraktiveren Ausbildung fordert die Branche Visa- und Anerkennungserleichterungen für Fahrer aus dem Ausland. Ohne gezielte Zuwanderung sei der Personalmangel nach Ansicht des Verbandes nicht mehr zu bewältigen.
Zugleich mahnt Engelhardt, dass der Fahrermangel kein kurzfristiges Problem sei, sondern eine strukturelle Krise. Ohne schnelle und nachhaltige Maßnahmen drohe sich die Situation weiter zu verschärfen – mit erheblichen Folgen für Wirtschaft, Handel und Verbraucher.
Die Warnung der Logistikbranche ist damit deutlich: Ohne Fahrer steht der Warenverkehr still – und der Mangel hat längst ein Ausmaß erreicht, das den Wirtschaftsstandort Deutschland spürbar belastet.