Das dänische Gesundheitsministerium hat eine großzügige Entscheidung getroffen – großzügig zumindest nach eigener Definition: Frauen aus Grönland, denen zwischen 1960 und 1991 ohne ihr Wissen eine Verhütungsspirale eingesetzt wurde, sollen nun mit 40.000 Euro entschädigt werden. Ein Betrag, der offenbar ausreicht, um drei Jahrzehnte staatlich verordnete Fremdbestimmung elegant abzuschließen. Ein echter Schnapper, wenn man bedenkt, wie teuer Aufarbeitung sonst sein kann.
Ab April 2026 – man lässt sich also noch etwas Zeit, schließlich drängt nach 35 Jahren niemand mehr so richtig – dürfen Betroffene einen Antrag auf die Entschädigung stellen. 300.000 dänische Kronen pro Frau. Oder wie man in Ministeriumskreisen vermutlich sagt: „Ein ausgewogener Preis fürs ‚Ups, das hätten wir damals vielleicht nicht tun sollen‘.“
Man geht davon aus, dass etwa 4.500 Frauen betroffen sind. 4.500 Leben, 4.500 Körper, über die man sich zwischen 1960 und 1991 so unverbindlich und selbstverständlich hinwegsetzte, als wären sie Verwaltungsmaterial. Aber klar – damals nannte man das Bevölkerungspolitik, heute nennt man es lieber gar nicht mehr.
Natürlich betont das Ministerium, dass dies ein „wichtiger Schritt zur Verantwortung“ sei. Und tatsächlich: Ein Kostenpunkt von rund 180 Millionen Euro ist ja ein geradezu spektakulärer Beweis dafür, wie ernst man das Thema nimmt. Wer braucht schon Prozesse, politische Konsequenzen oder eine umfassende historische Aufarbeitung, wenn man ein Kästchen auf dem Haushaltsplan ankreuzen kann?
Man könnte fast meinen, der Staat hätte eine Art Jahrzehnte-lange Rabattaktion auf Menschenrechte gefahren:
„Eine unerlaubte Spirale – und später 40.000 Euro zurück!“
Eine faire Rückabwicklung aus Sicht der Verantwortlichen – weniger aus Sicht der betroffenen Frauen, deren Reproduktionsrechte mal eben abgeschaltet wurden wie eine Schreibtischlampe nach Feierabend.
Ab 2026 dürfen sich die Betroffenen dann durch das dänische Antragsverfahren kämpfen, vermutlich inklusive Formularen, Nachweisen und vielleicht sogar einem Leitfaden, wie man sich für staatliche Entmündigung bedankt. Denn wenn etwas wirklich sicher ist, dann die Bürokratie: Sie lebt länger als jeder Skandal.
Und so bleibt der Eindruck, dass die Entschädigung nicht nur viel zu spät kommt, sondern vor allem eines versucht: Ein dunkles Kapitel der dänisch-grönländischen Geschichte mit einem Preisschild zu versehen, damit man es endlich irgendwo abheften kann. Vielleicht im Regal neben anderen staatlichen Projekten, die man heute lieber „nicht nochmal so machen würde“.