Die psychische Gesundheit junger Menschen in Deutschland steht zunehmend unter Druck. Der aktuelle Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt eine beunruhigende Entwicklung: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Angst- und Panikstörungen – und der Trend hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft.
Laut DAK seien inzwischen 22 von 1.000 versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren wegen einer Angststörung in Behandlung. Das entspricht einem Anstieg von rund 17 Prozent im Vergleich zu 2019 – also der Zeit vor der Corona-Pandemie. Fachleute sehen in dieser Zunahme einen klaren Hinweis darauf, dass die Nachwirkungen der Pandemie, steigender gesellschaftlicher Druck und Unsicherheiten im Alltag tiefgreifende Spuren bei jungen Menschen hinterlassen.
Mädchen besonders stark betroffen
Besonders alarmierend ist die Situation bei älteren Mädchen: In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen sind mittlerweile mehr als 66 von 1.000 Versicherten wegen einer Angststörung in ärztlicher Behandlung. Damit ist die Belastung in dieser Gruppe fast dreimal so hoch wie im Durchschnitt aller Kinder und Jugendlichen.
Psychologen erklären den überproportionalen Anstieg unter Mädchen häufig mit sozialen Faktoren: Leistungsdruck in der Schule, gestiegene Erwartungen an Selbstoptimierung und die alltägliche Konfrontation mit sozialen Medien, in denen Perfektion als Norm dargestellt wird.
Pandemie, Schulstress, digitale Überforderung
Der DAK-Report verweist zudem auf mehrere Einflussfaktoren, die gemeinsam zur Verschlechterung der seelischen Gesundheit beitragen:
• Pandemie-Folgen: Isolation, Homeschooling und eingeschränkte soziale Kontakte haben Sicherheitssysteme junger Menschen geschwächt.
• Schulische Überlastung: Nachzuholender Lernstoff und Prüfungsdruck verstärken Stressgefühle.
• Digitale Belastungen: Ständige Erreichbarkeit und soziale Vergleiche in Social Media können Ängste fördern.
• Familiäre Stressfaktoren: Wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Konflikte wirken sich indirekt auf Kinder aus.
Experten fordern bessere Präventionsangebote
Kinder- und Jugendärzte warnen davor, dass unbehandelte Angststörungen langfristig in Depressionen, Schulabbrüchen oder sozialen Rückzug münden können. Sie fordern daher mehr niedrigschwellige Angebote an Schulen, mehr Psychotherapieplätze und eine Sensibilisierung der Eltern für frühe Warnsignale.
Die DAK betont, wie wichtig es sei, Ängste nicht zu bagatellisieren: Müdigkeit, Bauchschmerzen, Rückzug oder Schlafprobleme könnten erste Hinweise sein, dass Kinder professionelle Unterstützung benötigen.