Der November brachte für Reisende der Deutschen Bahn erneut wenig Grund zur Hoffnung. Zwar zeigen die vorläufigen Zahlen eine leichte Verbesserung gegenüber dem Oktober, doch von einer echten Trendwende kann keine Rede sein. Nur 54,5 Prozent aller Fernzüge erreichten ihr Ziel ohne größere Verzögerungen – und gelten damit als pünktlich. Im Oktober waren es 51,5 Prozent gewesen. Damit blieb im vergangenen Monat nahezu jeder zweite Fernzug verspätet, also mindestens sechs Minuten zu spät.
Für ein Unternehmen, das seit Jahren unter massivem Druck steht und Millionen Fahrgäste im Alltag begleitet, sind diese Werte weiterhin ernüchternd. Die Bahn selbst spricht offen davon, dass sie mit der Qualität des Betriebs „nicht zufrieden“ sein könne. Hinter den nüchternen Statistiken stehen Reisende, die wegen verspäteter oder ausfallender Züge Termine verpassen, Anschlussverbindungen verlieren oder Stunden länger unterwegs sind als geplant.
Woher kommt die Dauerkrise?
Die Verspätungsanfälligkeit hat viele Ursachen, die sich gegenseitig verstärken:
-
Überlastete Infrastruktur: Die Schienennetze stoßen vielerorts an ihre Kapazitätsgrenzen.
-
Baustellenrekorde: Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten sind notwendig, sorgen aber kurzfristig für zusätzliche Störungen.
-
Störungen im Betriebsablauf: Von Stellwerksausfällen bis zu Oberleitungsschäden – technische Probleme häufen sich.
-
Personalmangel: Besonders im Winterhalbjahr erhöhen Krankheitswellen die Ausfallrisiken.
Mit dem Großprojekt „Generalsanierung des Schienennetzes“, das 2026 beginnen soll, verspricht die Bahn langfristige Verbesserungen. Doch bis dahin müssen sich Fahrgäste auf eine weiter angespannte Lage einstellen.
Kleine Schritte, großer Weg
Dass die Pünktlichkeit im November gegenüber dem Oktober leicht gestiegen ist, zeigt zumindest, dass sich einzelne Maßnahmen der Bahn bemerkbar machen. Doch angesichts eines monatelang dramatisch niedrigen Pünktlichkeitsniveaus reicht das bei weitem nicht aus, um Vertrauen zurückzugewinnen.
Für Pendler und Gelegenheitsreisende bedeutet das: Auch im Winter 2025 dürften Geduld, Flexibilität und Zeitpuffer die wichtigsten Reisebegleiter bleiben.