Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt angesichts eines massiven Chikungunya-Ausbruchs auf Kuba vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko für Reisende. Vor allem Urlauber, die in den vergangenen Wochen aus der Karibik nach Deutschland zurückgekehrt sind, stehen im Fokus der Gesundheitsbehörden. Denn die Zahl importierter Infektionen steigt deutlich – nach Jahren ohne gemeldete Fälle.
Wie das RKI im aktuellen „Epidemiologischen Bulletin“ mitteilt, seien allein bis Anfang Dezember 171 Chikungunya-Fälle in Deutschland registriert worden – 33 davon stehen direkt im Zusammenhang mit Reisen nach Kuba, insbesondere im November und Dezember. Noch bis vor Kurzem galt die Virusinfektion in der Region als nahezu verschwunden. Nun aber melden das kubanische Gesundheitsministerium und die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) wieder zahlreiche Neuinfektionen.
Hohes Fieber, massive Schmerzen – und lange Nachwirkungen
Die Infektion mit dem Chikungunya-Virus verläuft meist akut mit starkem Fieber, intensiven Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie teils Hautausschlag. Die Beschwerden ähneln einer schweren Grippe, heilen jedoch meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Besonders alarmierend: Bei bis zu 40 Prozent der Erkrankten können laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) monatelang anhaltende Gelenkbeschwerden zurückbleiben. Vor allem Schwangere, Säuglinge und chronisch Kranke gelten als Risikogruppen.
Todesfälle treten zwar selten auf – doch die körperlichen Belastungen können erheblich sein. Die WHO warnte bereits im Sommer vor einer drohenden internationalen Gesundheitskrise durch das Virus, das ursprünglich aus Afrika stammt, sich aber seit Jahren global ausbreitet.
Asiatische Tigermücke als Überträger breitet sich in Europa aus
Verbreitet wird das Virus durch tagaktive Aedes-Mücken – vor allem die Asiatische Tigermücke, deren Lebensraum sich in Europa rasant ausweitet. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist die invasive Mückenart inzwischen in 369 Regionen in 16 europäischen Ländern heimisch – ein Anstieg um mehr als 200 Regionen in nur zehn Jahren.
Der jüngste Ausbruch auf Kuba könnte nach Einschätzung des RKI durch den Hurrikan Melissa Ende Oktober zusätzlich begünstigt worden sein. Überschwemmungen und stehende Gewässer bieten ideale Brutbedingungen für die Mücken, die das Virus übertragen.
Impfung empfohlen – aber Engpässe bei Vakzinen
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit Juli 2025 eine Chikungunya-Impfung für Personen ab zwölf Jahren, die in betroffene Regionen reisen. In der EU sind zwei Vakzine zugelassen: der Totimpfstoff Vimkunya (ab 12 Jahren) und der Lebendimpfstoff Ixchiq (für 12- bis 59-Jährige). Während Ixchiq derzeit verfügbar ist, kommt es beim Impfstoff Vimkunya zu Lieferengpässen.
Zusätzlichen Schutz bietet vor allem ein konsequenter Mückenschutz – durch langärmelige Kleidung, Moskitonetze und das Auftragen wirksamer Repellents. Urlauber sollten sich vor Reisen in betroffene Gebiete unbedingt ärztlich beraten lassen.
Symptome ernst nehmen – Ärzte sensibilisieren
Das RKI ruft Ärztinnen und Ärzte in Deutschland dazu auf, bei Rückkehrern aus Kuba oder anderen betroffenen Regionen auch an Chikungunya-Fieber zu denken – insbesondere bei Symptomen wie Fieber, Gelenkschmerzen oder Hautausschlag. Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, Beschwerden zu lindern und Folgeerkrankungen zu vermeiden.
Trotz verstärkter Maßnahmen zur Bekämpfung der Mücken auf Kuba bleibt das Risiko derzeit hoch – insbesondere in der touristischen Hauptsaison. Das RKI beobachtet die Entwicklung aufmerksam und will Reisende wie Mediziner weiterhin regelmäßig informieren.