Der Fall um Bruna Ferreira, die Mutter des elfjährigen Neffen der US-Pressesprecherin Karoline Leavitt, entwickelt sich zunehmend zu einem politischen und familiären Konflikt. Ferreira, eine aus Brasilien stammende Migrantin, wurde im November von der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen und soll abgeschoben werden. Während das Weiße Haus sie als abwesende Mutter mit problematischer Vergangenheit darstellt, erhebt Ferreira schwere Vorwürfe gegen die Regierung.
Nach ihrer Festnahme veröffentlichte die Regierung eine Erklärung, in der Ferreira als „Kriminelle“ bezeichnet wurde. Sie habe das Sorgerecht für ihren Sohn nie ausgeübt, heißt es. Doch ein Bericht der „Washington Post“, der auf Interviews, Nachrichtenverläufen und Gerichtsakten basiert, zeichnet ein anderes Bild. Ferreiras Anwalt betont, es gebe keine dokumentierte Straftat, nur ein eingestelltes Verfahren aus ihrer Jugend. Auch widerspricht Ferreira der Darstellung, sie sei nie präsent gewesen: Ihr Sohn verbringe regelmäßig Zeit bei ihr, und sie habe sich bis zu ihrer Festnahme um ihn gekümmert.
Besonders bitter sei für sie, dass sie Leavitt einst als Patentante ihres Sohnes auswählte. „Das Vertrauen war ein Fehler“, sagte sie der Zeitung. Warum das Weiße Haus eine verzerrte Geschichte über sie verbreite, könne sie nicht nachvollziehen.
Ferreira kam 1998 als sechsjährige Migrantin in die USA, erhielt später Schutz im Rahmen eines Obama-Programms für undokumentierte Minderjährige. Doch die Trump-Regierung nahm ihr Abschiebeverfahren erneut auf. Parallel dazu tobt seit Jahren ein Konflikt um das Sorgerecht zwischen ihr und Michael Leavitt, dem Bruder der Sprecherin. Beide Seiten warfen einander Misshandlung oder Vernachlässigung vor, während Gerichte wiederholt gemeinsame Verantwortung einforderten. Laut Ferreira habe ihr Ex-Partner gelegentlich damit gedroht, ihren Aufenthaltsstatus gegen sie auszuspielen, was dieser bestreitet.
Ferreiras Schilderungen ihrer Festnahme verdeutlichen die emotionale Dimension des Falls. Sie beschreibt, wie ihr Sohn vergeblich an der Schule auf sie wartete, während sie bereits in ein anderes Bundesland gebracht wurde. Ihr Anwalt und Unterstützer sehen den Vorgang als Beispiel dafür, wie Familienkonflikte, Migrationsrecht und politische Interessen ineinandergreifen – und wie schnell Menschen zwischen diese Fronten geraten können.