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Deutsche Experten begrüßen US-Kehrtwende zur Hormontherapie – warnen aber vor pauschalem Einsatz

picjumbo_com (CC0), Pixabay

Die Deutsche Menopause-Gesellschaft (DMG) reagiert mit deutlicher Zustimmung auf die überraschende Neubewertung der Hormontherapie durch die US-Gesundheitsbehörde FDA. In der aktuellen Folge des MDR-Podcasts „Hormongesteuert“ spricht DMG-Präsidentin Dr. Katrin Schaudig von einer „guten Entscheidung, die vielen Frauen eine sinnvollere Behandlung ermöglicht“. Zugleich mahnt sie jedoch zur Besonnenheit.

Warum die US-Entscheidung so wichtig ist

Jahrzehntelang galten Hormonersatztherapien in den USA – und in der Folge auch in Europa – als potenziell gefährlich. Nach Veröffentlichung der viel diskutierten WHI-Studie Anfang der 2000er-Jahre wurden deutliche Warnungen vor einem erhöhten Risiko für Brustkrebs, Schlaganfälle und sogar Demenz ausgesprochen. Diese Warnungen prägten die medizinische Praxis nachhaltig: Viele Frauen erhielten keine Hormone mehr, obwohl sie unter schweren Wechseljahrsbeschwerden litten.

Inzwischen wurden jedoch zahlreiche methodische Schwächen der damaligen Studie aufgedeckt, und viele der alten Risikoeinschätzungen gelten heute als überholt.

Mit der nun verkündeten Kehrtwende erkennt auch die FDA an:
Moderne Hormontherapien sind bei richtiger Dosierung und Anwendung für viele Frauen sicherer als lange angenommen.

Genau das begrüßt Schaudig ausdrücklich.

Schaudig: „Eine wissenschaftlich notwendige Korrektur“

Die Präsidentin der Deutschen Menopause-Gesellschaft betont im Podcast:

„Es ist eine gute und richtige Entscheidung, die Warnhinweise zurückzunehmen. Wir wissen heute viel genauer, welche Frauen profitieren und wie gering die Risiken bei richtiger Anwendung sind.“

Die Aufhebung der pauschalen Warnungen verleiht Ärztinnen und Ärzten mehr Spielraum – und vielen Frauen neue therapeutische Optionen.

Aber: Kein Freifahrtschein für ungezielte Hormonvergabe

Trotz der Zustimmung sieht Schaudig die Gefahr, dass die Entscheidung missverstanden werden könnte. Ihrer Ansicht nach müsse weiterhin gelten:

  • Hormontherapie ist individuell.

  • Es gibt keine Einheitslösung.

  • Die Anamnese entscheidet.

Daher ihre klare Warnung:

„Der Schritt darf nicht dazu führen, dass Hormone wieder im Gießkannenprinzip angewendet werden.“

Gemeint ist damit die unkritische, pauschale Verschreibung – ein Fehlverhalten, das bereits in der Vergangenheit zu unnötigen Risiken geführt hatte.

Deutlich verbesserte Datenlage

Heute wird die Hormontherapie differenzierter betrachtet:

  • Jüngere Frauen in der frühen Menopause profitieren besonders.

  • Das Risiko für Brustkrebs ist bei modernen niedrig dosierten Präparaten geringer als früher angenommen.

  • Die Art der Hormone und die Darreichungsform (z. B. transdermale Pflaster) beeinflussen das Risiko erheblich.

  • Mehrere internationale Leitlinien empfehlen die Therapie heute wieder als wirksame Standardbehandlung gegen starke Wechseljahrsbeschwerden.

Schaudig sieht darin eine Rückkehr zur medizinischen Vernunft – ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.

Signalwirkung auch für Europa

Die Entscheidung der FDA hat internationale Strahlkraft. Medizinische Leitlinien in Europa könnten sich neu orientieren, denn viele der alten Warnungen basierten direkt oder indirekt auf amerikanischen Empfehlungen. Schaudig betont jedoch die Bedeutung eines kontrollierten, evidenzbasierten Vorgehens:

„Wir begrüßen die Öffnung – aber sie muss verantwortungsvoll umgesetzt werden, damit Frauen eine sichere und wirksame Behandlung erhalten.“

Bedeutung für betroffene Frauen

Für Millionen Frauen, die unter Hitzewallungen, Schlafstörungen, Depressionen oder Leistungsabfall leiden, könnte die Neubewertung ein Wendepunkt sein. Viele erleben seit Jahren, dass ihre Beschwerden verharmlost oder aufgrund überholter Risiken nicht behandelt werden.

Mit der US-Kehrtwende könnte sich das ändern – auch in Deutschland.

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