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Krank und trotzdem im Dienst: Warum Präsentismus zum Gesundheitsrisiko wird

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Husten, Kopfschmerzen, Erschöpfung – und trotzdem landet der Laptop auf dem Küchentisch oder der Gang ins Büro wird angetreten. Was viele als Pflichtbewusstsein verstehen, kann zu einem ernsten Gesundheitsrisiko werden. Forschende warnen: Wer trotz Krankheit arbeitet, gefährdet nicht nur seine Genesung, sondern riskiert auch langfristige Erschöpfung und sinkende Leistungsfähigkeit.

Teufelskreis aus Überforderung und Müdigkeit

Eine aktuelle Studie der TU Chemnitz, der Universität Groningen und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zeigt deutlich, was passiert, wenn Beschäftigte regelmäßig krank arbeiten – sogenannter Präsentismus. Die Analyse von 123 Berufstätigen über einen Zeitraum von 16 Wochen ergab: Wer trotz Krankheit im Job bleibt, leidet in der Folge häufiger unter chronischer Müdigkeit und braucht deutlich länger zur Erholung.

„Die Erschöpfung baut sich nur sehr langsam über Wochen ab“, warnt Studienleiterin Dr. Carolin Dietz. Gerade im Homeoffice steigt das Risiko, sich trotz Krankheit „mal eben“ einzuloggen – mit potenziell fatalen Folgen für Körper und Psyche.

Gute Absicht – schlechter Effekt

Viele arbeiten krank aus Angst, unersetzlich zu sein, wegen hoher Arbeitslast oder aus falsch verstandenem Pflichtbewusstsein. Doch gerade dieser Pragmatismus kann teuer werden. „Kurzfristig mag es vernünftig erscheinen, sich durchzubeißen, aber auf Dauer sinkt die Leistungsfähigkeit“, betont Professor Bertolt Meyer, Wirtschaftspsychologe an der TU Chemnitz.

Was hilft gegen Präsentismus?

1. Ehrlich zu sich selbst sein: Wer krank ist, braucht Erholung – auch, wenn keine offensichtlichen Symptome wie Fieber vorliegen. Der Körper benötigt Energie zur Regeneration, nicht für Meetings oder Mails.

2. Frühzeitige Kommunikation: Wer merkt, dass die Belastung zu hoch oder der Gesundheitszustand instabil ist, sollte früh das Gespräch mit Vorgesetzten suchen. Ein einfaches „Ich bin gesundheitlich angeschlagen“ reicht oft, um Unterstützung zu erhalten.

3. Erholung auch im Homeoffice ernst nehmen: Pausen, Abschalten und klare Grenzen zwischen Arbeit und Ruhezeit sind unerlässlich – vor allem, wenn der Arbeitsplatz zu Hause ist.

Auch Arbeitgeber sind gefordert

Unternehmen sollten Rahmenbedingungen schaffen, die gesundes Verhalten ermöglichen: flexible Arbeitszeiten, ein funktionierendes Vertretungsmanagement und eine Führungskultur, die Regeneration nicht als Schwäche, sondern als notwendige Stärke begreift.

„Betriebe müssen aktiv dazu ermutigen, sich bei Krankheit auszukurieren“, so Meyer. Das schützt nicht nur die individuelle Gesundheit, sondern bewahrt das gesamte Team vor Ausfällen und senkt langfristig die Kosten.

Präsentismus ist nicht gleich Engagement

Wichtig ist: Präsentismus bedeutet nicht, dass man auch bei leichten Beschwerden nicht arbeiten darf. Laut Initiative Gesundheit und Arbeit kann das Weiterarbeiten bei bestimmten chronischen Leiden – wie leichten Rücken- oder psychischen Beschwerden – sogar förderlich sein. Entscheidend ist die individuelle Abwägung.

Denn wer sich nie erlaubt, wirklich krank zu sein, läuft Gefahr, es irgendwann nicht mehr zu merken – oder sich selbst völlig aufzubrauchen.

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