Am Seeburger See im Landkreis Göttingen spielt sich ein Naturdrama ab, das idyllisch beginnt – und für viele Anwohner dennoch beunruhigend endet. Ein Biber hat das Naturschutzgebiet für sich entdeckt, baut unermüdlich Dämme und staut das Wasser immer weiter auf. Während Spaziergänger und Touristen die überraschende Rückkehr des scheuen Nagers feiern, wächst bei den Anwohnern die Angst: Steht mit dem neuen Biber-Baumeister das nächste Hochwasser bevor?
Die Kulisse könnte kaum friedlicher sein. Wiesen und Schilf spiegeln sich im Abendlicht, das Wasser glitzert in der Sonne. Doch Sabine Wieter, die nur wenige Hundert Meter vom Ufer entfernt wohnt, kann die vermeintliche Idylle kaum genießen. „Jeden Tag steigt der Pegel ein Stück“, sagt sie. „Und das, obwohl es seit Tagen nicht geregnet hat.“ Für sie ist klar: Der Biber ist schuld. Der Nager hat inzwischen mehrere Dämme errichtet – und damit den Wasserstand spürbar angehoben.
Überschwemmungen sind ein wiederkehrendes Problem
Die Sorgen der Anwohner kommen nicht von ungefähr. In den vergangenen Jahren kam es am Seeburger See wiederholt zu Überflutungen – zuletzt im März 2023, nachdem tagelanger Regen den See über die Ufer treten ließ. Sabine Wieter erinnert sich noch genau an die chaotischen Tage: Die Feuerwehr stapelte Sandsäcke, doch das Wasser drang trotzdem in die Gärten. „Wir hätten damals im Garten Boot fahren können“, sagt sie mit Galgenhumor.
Dass es erneut so weit kommen könnte, wirkt für viele mittlerweile realistisch. Wanderwege stehen jetzt schon unter Wasser, einige Flächen, die normalerweise im Herbst trocken sind, sind heute dauerhaft überflutet. Für die Touristen ist das Naturphänomen reizvoll – für die Anwohner ist es ein Risikofaktor.
Auch die Gemeinde schlägt Alarm
Die Wasserstände beschäftigen längst nicht nur die Anwohner, sondern auch die Verantwortlichen der Gemeinde Seeburg. Lothar Goldmann, parteiloses Ratsmitglied, zeigt sich angesichts der Entwicklungen zunehmend besorgt: „Die Dämme des Bibers werden immer größer. Er ist an vielen Stellen aktiv und verursacht massive Aufstauungen.“ Besonders kritisch werde es, wenn der nächste Starkregen oder ein schneereicher Winter komme.
Das Hochwasser von 2023 hatte die Gemeinde zehntausende Euro gekostet – Schäden, die man sich nicht dauerhaft leisten kann. „Es wird spannend, wenn es wirklich stark zu regnen beginnt“, sagt Goldmann. Gemeint ist: gefährlich spannend.
Zwischen Naturschutz und Anwohnerinteressen
Der Fall zeigt einmal mehr, wie schwierig das Spannungsfeld zwischen Naturschutz und menschlichen Interessen ist. Biber stehen in Deutschland unter strengem Schutz. Ihre Dämme dürfen nicht ohne Genehmigung entfernt oder beschädigt werden. Gleichzeitig kann ihr natürlicher Lebensraum zur Herausforderung für Menschen werden, die in unmittelbarer Nähe leben.
Wie es weitergeht, hängt nun auch von Entscheidungen der Behörden ab: Wird der Biber umgesiedelt? Werden seine Dämme teilweise geöffnet? Oder muss die Gemeinde erneut teure Maßnahmen ergreifen, um Flächen zu sichern?
Klar ist nur eines: Während der Biber am Seeburger See ungestört weiterbaut, wachsen bei den Anwohnern die Sorgen – und die Pegelstände gleich mit.