Die Bundeswehr feiert heute ihr 70-jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch zum Blick nach vorn bietet. In Berlin ist zu diesem Anlass ein feierliches Gelöbnis mit 280 Soldatinnen und Soldaten geplant. Daran nehmen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) teil.
Das feierliche Gelöbnis soll die enge Verbindung zwischen der Bundeswehr und der demokratischen Gesellschaft unterstreichen. Die Zeremonie gilt zugleich als Symbol des Dankes und der Anerkennung für den Einsatz der Soldatinnen und Soldaten im In- und Ausland.
Vom Wiederaufbau zur Einsatzarmee
Gegründet wurde die Bundeswehr am 12. November 1955, in einer Zeit, als die junge Bundesrepublik ihren Platz im westlichen Bündnissystem suchte. Aus den anfänglich rund 6.000 Freiwilligen wurde im Laufe der Jahrzehnte eine moderne Armee, die seit den 1990er-Jahren auch an internationalen Einsätzen teilnimmt – von Afghanistan bis Mali.
Heute steht die Bundeswehr erneut vor einem Wendepunkt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die sicherheitspolitische Lage in Europa grundlegend verändert und die Frage nach Wehrfähigkeit und Abschreckung wieder in den Mittelpunkt gerückt.
Wehrdienst im Fokus der Bundestagsdebatte
Im Anschluss an die Feierlichkeiten wird sich der Bundestag mit der Zukunft der Bundeswehr befassen. Hauptthema der Debatte: das geplante neue Wehrdienstmodell. Innerhalb der Ampel-Koalition laufen die Verhandlungen dazu noch – insbesondere über die Frage, wie verbindlich ein solcher Dienst werden soll.
Strittig ist vor allem, was passieren soll, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden. Während Verteidigungsminister Pistorius ein Modell befürwortet, das Freiwilligkeit mit einer gewissen Verpflichtung kombiniert, warnen Teile der Grünen und der FDP vor einem „Wehrdienst durch die Hintertür“.
Ziel der Reform ist es, die Truppenstärke deutlich zu erhöhen – von derzeit rund 182.000 Soldatinnen und Soldaten auf künftig 260.000. Damit will die Bundesregierung die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und der NATO langfristig sichern.
Herausforderung Zeitenwende
Der 70. Geburtstag der Bundeswehr fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Mit dem von Bundeskanzler Scholz ausgerufenen „Sondervermögen Bundeswehr“ von 100 Milliarden Euro soll die Truppe moderner, schlagkräftiger und besser ausgerüstet werden. Doch trotz Milliardeninvestitionen bleiben viele Probleme ungelöst – vom Personalmangel über veraltete Technik bis hin zu schleppenden Beschaffungsprozessen.
Verteidigungsminister Pistorius betonte zuletzt mehrfach, dass die „Zeitenwende“ nur gelingen könne, wenn Deutschland die Streitkräfte nicht nur finanziell stärke, sondern auch gesellschaftlich fest verankere. „Eine wehrhafte Demokratie braucht eine Bundeswehr, die sich auf den Rückhalt ihrer Bürgerinnen und Bürger verlassen kann“, sagte Pistorius im Vorfeld der Feierlichkeiten.
Zwischen Tradition und Zukunft
Mit dem Gelöbnis in Berlin erinnert die Bundeswehr an ihre Gründung vor 70 Jahren – und zugleich an ihren besonderen Auftrag: die Verteidigung von Frieden und Freiheit in Deutschland und Europa. Doch während heute Salutkanonen donnern und Festreden gehalten werden, ist klar: Die eigentliche Bewährungsprobe für die Bundeswehr liegt in der Zukunft – auf dem Weg zu einer modernen, einsatzbereiten Armee in einer zunehmend unsicheren Welt.