Still, schleichend und oft lange unbemerkt: Chronische Nierenerkrankungen entwickeln sich zunehmend zu einer der größten globalen Gesundheitsgefahren. Laut einer neuen Studie im Fachjournal „The Lancet“ litten im Jahr 2023 weltweit rund 788 Millionen Menschen an einer chronischen Nierenkrankheit – mehr als doppelt so viele wie noch 1990.
Die Folgen sind dramatisch: 1,48 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an den Folgen der Erkrankung. Damit gehört das Nierenleiden inzwischen zu den häufigsten Todesursachen weltweit.
Das internationale Forschungsteam um Theo Vos von der University of Washington in Seattle spricht von einer „wachsenden globalen Gesundheitskrise“, deren Auswirkungen weitgehend vermeidbar wären. Viele Betroffene wüssten lange nichts von ihrer Krankheit – häufig, bis die Nieren bereits stark geschädigt sind und nur noch eine Dialyse oder Transplantation helfen kann.
Zu den Hauptursachen zählen Bluthochdruck, Diabetes, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel – alles Risikofaktoren, die mit Lebensstil und Wohlstandszunahme in Verbindung stehen. Besonders stark betroffen sind ärmere Länder, in denen Vorsorge und Behandlung oft fehlen.
Die Forschenden fordern dringend mehr Prävention, regelmäßige Gesundheitschecks und einen bewussteren Umgang mit Risikofaktoren. Denn: Früh erkannt, lässt sich eine Nierenerkrankung oft stoppen oder zumindest verlangsamen.
„Wir dürfen chronische Nierenerkrankungen nicht länger als Randthema betrachten“, betont Studienautor Vos. „Sie sind eine stille Epidemie – und sie wächst schneller, als wir reagieren.“