Die Aktienmärkte klettern seit Monaten von einem Rekord zum nächsten – angetrieben vor allem vom Hype rund um Künstliche Intelligenz (KI). Doch je stärker die Kurse steigen, desto lauter werden die Zweifel: Stehen wir vor einer neuen Blase wie zu Zeiten des Dotcom-Crashs?
Im ntv Zertifikate Talk diskutierten Friedhelm Tilgen, Matthias Hüppe (HSBC) und Börsenexperte Michael Proffe (Proffe Invest) genau diese Frage – und kamen zu einem differenzierten Ergebnis: Nicht alles, was teuer wirkt, ist überbewertet.
Kein Déjà-vu zur Dotcom-Blase
Zwar erinnere die Euphorie um KI oberflächlich an die Tech-Manie um die Jahrtausendwende, so Hüppe, doch der Vergleich hinke. „Damals waren viele Firmen reine Luftnummern – ohne Gewinne, ohne greifbares Produkt. Heute reden wir über Unternehmen, die reale Umsätze und funktionierende Geschäftsmodelle haben.“
Besonders die großen Tech-Konzerne wie Nvidia, Microsoft oder Amazon profitieren direkt vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Sie liefern Rechenleistung, Software und Cloud-Kapazitäten – und verdienen damit Milliarden. „Die hohen Bewertungen spiegeln nicht nur Fantasie, sondern auch tatsächliches Wachstum“, so Hüppe.
Der verborgene KI-Boom
Investor Michael Proffe sieht die Chancen sogar noch breiter gestreut: „Nicht nur klassische KI-Aktien profitieren vom Trend, sondern auch die Firmen, die das Fundament dafür liefern.“ Dazu zählen etwa Halbleiterhersteller, Energiekonzerne, Netzbetreiber oder Anbieter von Rechenzentren.
Proffe spricht von einer „zweiten Welle“ des KI-Booms – einem Infrastruktur- und Zulieferer-Boom, der erst beginne. „Die Server müssen gebaut, die Chips gekühlt, der Strom geliefert werden – hier entstehen neue Wachstumsmärkte.“
Zwischen Euphorie und Realität
Trotzdem warnen beide Experten vor überzogener Euphorie. Kurzfristige Rückschläge seien wahrscheinlich, zumal der Markt bereits viel Zukunft eingepreist habe. Doch langfristig überwiegen aus ihrer Sicht die Chancen.
„KI ist kein Modetrend wie damals das Internet – es ist ein Strukturwandel“, betont Proffe. „Wer langfristig investiert, wird an dieser Entwicklung nicht vorbeikommen.“
Das Fazit der Diskussionsrunde: Ja, die Bewertungen sind hoch – aber sie basieren auf realem Potenzial. Eine Blase drohe nur dann, wenn die Anleger den Bezug zur wirtschaftlichen Realität verlieren. Bislang, so die Experten, sei das nicht der Fall.