Angesichts der zunehmend angespannten Sicherheits- und Versorgungslage in Mali hat die Bundesregierung deutsche Staatsbürger eindringlich aufgefordert, das westafrikanische Land zu verlassen. Grund ist eine anhaltende Treibstoffblockade durch islamistische Gruppen, die das Land seit Wochen von Benzin- und Diesellieferungen abschneiden.
„Deutschen Staatsangehörigen wird empfohlen, Mali umgehend zu verlassen“, teilte das Auswärtige Amt am Dienstag mit. „Die Nutzung kommerzieller Flüge ab Bamako wird dringend angeraten. Von Ausreisen über Land wird ausdrücklich abgeraten.“ Die Lage verschärfe sich täglich, insbesondere in der Hauptstadt Bamako, wo Kraftstoffreserven zur Neige gehen und der öffentliche Verkehr zunehmend zusammenbricht.
Nach Angaben lokaler Behörden und internationaler Beobachter kontrollieren islamistische Gruppierungen, die mit Al-Kaida verbündet sind, weite Teile des Nordens und Zentrums des Landes. Durch gezielte Angriffe und Blockaden von Versorgungsrouten hätten sie die Belieferung mit Treibstoffen faktisch zum Erliegen gebracht. Tankstellen bleiben geschlossen, Krankenwagen und Lebensmitteltransporte kommen vielerorts nicht mehr voran.
Die Regierung in Bamako steht unter massivem Druck. Seit dem Abzug internationaler Truppen – darunter auch die Bundeswehr – hat sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert. Die malische Armee versucht, die von Islamisten kontrollierten Gebiete zurückzuerobern, stößt jedoch auf heftigen Widerstand.
Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Krise. Ohne Treibstoff drohe in vielen Regionen der Zusammenbruch der Strom- und Wasserversorgung. Auch die Lebensmittelpreise sind zuletzt drastisch gestiegen.
Das Auswärtige Amt betonte, die deutsche Botschaft in Bamako sei weiterhin handlungsfähig und unterstütze Ausreisen, soweit möglich. Gleichzeitig appellierte das Ministerium an alle im Land verbliebenen Deutschen, sich in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ einzutragen und umgehend Kontakt zur Botschaft aufzunehmen.
Die Treibstoffblockade durch Islamisten verschärft eine ohnehin fragile Lage in Mali, das seit Jahren unter Terror, politischer Instabilität und wirtschaftlichem Niedergang leidet. Internationale Beobachter sehen in der jüngsten Entwicklung ein weiteres Anzeichen für den wachsenden Einfluss extremistischer Gruppen in der Sahelzone – und für die Isolation der malischen Militärregierung, die zunehmend auf sich allein gestellt ist.