Ganz Kuba steht unter Alarmstufe Rot: Der Hurrikan „Melissa“, einer der gefährlichsten Wirbelstürme der letzten Jahrzehnte, steuert direkt auf die Insel zu. Meteorologen warnen vor Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 Kilometern pro Stunde, meterhohen Sturmfluten und massiven Regenfällen. Präsident Miguel Díaz-Canel sprach am Dienstagabend von einer „Ernstlage für das ganze Land“ und rief die Bevölkerung auf, alle Vorsichtsmaßnahmen zu befolgen.
„Melissa“ erreicht Kuba mit voller Wucht
Laut dem kubanischen Institut für Meteorologie wird der Sturm in der Nacht zum Mittwoch die Westküste erreichen. Besonders gefährdet sind die Provinzen Pinar del Río, Artemisa, Mayabeque und die Hauptstadt Havanna. Schon am Dienstagabend begann der Wind deutlich zuzunehmen, während die Küstenregionen von meterhohen Wellen getroffen wurden.
„Melissa“ hatte kurz zuvor bereits Jamaika schwer verwüstet – dort starben mehrere Menschen, ganze Landstriche sind ohne Strom, und zahlreiche Häuser wurden zerstört. Nun fürchtet Kuba ähnliche Schäden.
Evakuierungen in vollem Gange
Die Behörden haben zehntausende Menschen aus gefährdeten Gebieten in Sicherheit gebracht. In Schulen, Sporthallen und Gemeindezentren wurden Notunterkünfte eingerichtet, die mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt sind. Auch Tiere und Nutzvieh werden – soweit möglich – evakuiert.
„Wir müssen davon ausgehen, dass dieser Sturm einer der heftigsten der letzten 20 Jahre wird“, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. „Wir können nur hoffen, dass die getroffenen Maßnahmen reichen, um Menschenleben zu schützen.“
Stromausfälle und Kommunikationsprobleme erwartet
Bereits Stunden vor Eintreffen des Hurrikans meldeten mehrere Regionen erste Stromausfälle. Mobile Kommunikationsnetze seien stark überlastet, teilte der staatliche Telekommunikationsanbieter ETECSA mit. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Batterien aufzuladen, Trinkwasser zu sichern und sich von Fenstern und Türen fernzuhalten.
Auch in Havanna, wo viele Gebäude alt und baufällig sind, wurden ganze Straßenzüge evakuiert. Busse der Armee brachten Menschen in sichere Gebiete.
Regierung bereitet Notfallpläne vor
Präsident Díaz-Canel kündigte an, dass die Regierung Katastrophenhilfe und Wiederaufbauprogramme vorbereite. Auch das Militär und staatliche Unternehmen wurden mobilisiert, um nach dem Sturm sofort mit Aufräumarbeiten zu beginnen. Internationale Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz stehen ebenfalls bereit, sollte der Hurrikan schwere Schäden hinterlassen.
„Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität“, sagte Díaz-Canel. „Gebäude kann man wieder aufbauen, Menschenleben nicht.“
Eine Nation im Ausnahmezustand
Während die Nacht hereinbricht, bereiten sich die Kubanerinnen und Kubaner auf das Unvermeidliche vor. Fenster werden mit Brettern vernagelt, Boote gesichert, Lebensmittelvorräte angelegt. In sozialen Netzwerken teilen Menschen letzte Nachrichten an ihre Familien – für den Fall, dass der Kontakt abbricht.
Meteorologen warnen, dass der Sturm auch nach seinem Landfall stundenlang über der Insel verweilen könnte, was zu massiven Überflutungen und Erdrutschen führen dürfte.
Hoffnung und Zusammenhalt
Trotz der Angst herrscht auf der Insel auch ein starkes Gefühl des Zusammenhalts. Freiwillige helfen beim Evakuieren, Nachbarn teilen Vorräte und Familien nehmen einander auf. Viele hoffen, dass die strengen Vorsichtsmaßnahmen, die Kuba seit Jahrzehnten bei Hurrikans befolgt, erneut Schlimmeres verhindern.
Doch eines ist klar: „Melissa“ wird Spuren hinterlassen – und Kuba steht vor einer schweren Bewährungsprobe.
Wie Präsident Díaz-Canel zum Abschluss seiner Ansprache sagte:
„Wir haben schon viele Stürme überstanden. Auch diesen werden wir gemeinsam überstehen – mit Mut, Solidarität und Disziplin.“