Ein starkes Zeichen für regionale Selbstbestimmung: Die drei Bündner Gemeinden Flims, Laax und Falera haben beschlossen, die gesamte Ski-Infrastruktur der berühmten „Weißen Arena“ zu übernehmen – aus Sorge, das Herzstück ihres Tourismusgebietes könne in ausländische Hände fallen.
Damit wollen die Orte eines der größten Skigebiete der Schweiz dauerhaft in kommunaler Hand halten und vor dem Zugriff internationaler Investoren schützen. Den Ausschlag gab eine Volksabstimmung in Flims, bei der die Einwohner nun ebenfalls grünes Licht für den Kauf gaben.
94,5 Millionen Franken für die Zukunft der Region
Der Kaufpreis beträgt 94,5 Millionen Schweizer Franken – umgerechnet gut 102 Millionen Euro. Damit erwerben die Gemeinden gemeinsam rund 30 Liftanlagen und Bergbahnen, 20 Restaurants, mehrere Skischulen, Hotels und Bars sowie weitere Einrichtungen der „Weißen Arena Gruppe“.
Die Finanzierung soll über kommunale Mittel, Kredite und Beteiligungen erfolgen. Ziel ist es, das wirtschaftliche Rückgrat der Region langfristig zu sichern und zugleich die touristische Entwicklung nachhaltiger und unabhängiger zu gestalten.
„Wir investieren nicht nur in Infrastruktur, sondern in unsere eigene Zukunft“, erklärte der Gemeindepräsident von Laax. „Der Berg gehört den Menschen, die hier leben und arbeiten – nicht anonymen Geldgebern aus dem Ausland.“
Ein Schulterschluss gegen den internationalen Investorenboom
In den vergangenen Jahren hatten immer mehr ausländische Kapitalgeber Interesse an Schweizer Skigebieten gezeigt. Gerade in touristisch attraktiven Regionen, in denen Liftanlagen, Hotels und Gastronomiebetriebe in privater Hand sind, kam es wiederholt zu Übernahmen durch internationale Investmentgesellschaften.
Viele Einheimische befürchten, dass solche Investoren kurzfristige Renditeziele verfolgen – auf Kosten der regionalen Identität, der Preise und der Umwelt. Der Kauf durch die drei Gemeinden gilt daher als Gegenmodell zu einer zunehmenden Kommerzialisierung des Alpenraums.
Tradition und Nachhaltigkeit statt Renditedruck
Die „Weiße Arena“ zählt zu den beliebtesten Wintersportdestinationen der Schweiz. Jährlich besuchen mehr als eine Million Skifahrerinnen und Skifahrer das Gebiet zwischen Flims, Laax und Falera. Neben modernsten Liftanlagen ist die Region bekannt für ihre Snowparks, Freeride-Zonen und umweltbewusste Tourismusprojekte.
Mit der Übernahme wollen die Gemeinden diese Linie fortsetzen. Geplant ist, künftig verstärkt in nachhaltige Energie, moderne Beschneiungssysteme und umweltverträgliche Mobilität zu investieren.
„Es geht um Verantwortung“, so eine Vertreterin des Gemeinderats Flims. „Wenn wir die Kontrolle behalten, können wir sicherstellen, dass wirtschaftliche Interessen nicht über Klima und Lebensqualität gestellt werden.“
Bedeutung über die Region hinaus
Der Fall der „Weißen Arena“ könnte Signalwirkung für andere Schweizer Tourismusregionen haben. Bereits jetzt prüfen mehrere Kantone, ob ähnliche Modelle möglich wären, um strategisch wichtige Infrastrukturen in öffentlicher Hand zu sichern.
Tourismus- und Wirtschaftsexperten loben den Schritt als „mutige und vorausschauende Entscheidung“, die zeige, dass lokale Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sein müssen.
Fazit:
Mit dem Rückkauf der „Weißen Arena“ setzen Flims, Laax und Falera ein deutliches Zeichen gegen den Ausverkauf der Alpen. Die Gemeinden übernehmen Verantwortung für ihre Zukunft – und zeigen, dass Heimat und Identität wichtiger sein können als kurzfristige Renditen.
Ein Sieg für die Region, für den Zusammenhalt – und für das Prinzip, dass Berge nicht Spekulationsobjekte sind, sondern Lebensraum.