Und trotzdem – man mag es kaum glauben – ist die Ophira Handelshaus GmbH insolvent.
(Aktenzeichen: 3609 IN 2840/25, Amtsgericht Charlottenburg – für alle, die gern schwarz auf weiß sehen, was einst glänzte und nun zu Staub zerfällt.)
Wie konnte das passieren?
Was hat Geschäftsführer Alexander Filkorn übersehen, dass seine glorreiche Idee vom „kostengünstigen Handel mit Gold und Silber“ in einem Umfeld scheiterte, in dem schon der bloße Gedanke an Krisenabsicherung sonst glänzende Renditen verspricht?
Vielleicht lag der Fehler in einem unscheinbaren Detail: der Realität.
Gold bringt keine Zinsen – und auch keine Wunder
Ich erinnere mich noch gut an meine Warnung vor fünf Jahren.
Damals stellte ich eine einfache, aber entscheidende Frage:
„Bringt Gold eigentlich Zinsen?“
Eine rhetorische Frage, sicher – aber offenbar keine, die man bei Ophira jemals ernsthaft stellte.
In meinem damaligen Beitrag für Das Geld-Magazin von DER SPIEGEL („Goldrichtig?“, Ausgabe 1/2020) nahm ich das Geschäftsmodell bereits kritisch unter die Lupe.
Filkorn präsentierte sich damals selbstbewusst wie ein Barren Feingold –
unerschütterlich, glänzend und schwer zu fassen.
Er winkte jede Kritik ab, sprach von Transparenz und legte stolz ein Schreiben der BaFin aus dem Jahr 2018 vor, das angeblich keine Erlaubnispflicht sah.
Ein Traum in Paragrafenform –
wenn man fest genug daran glaubt.
Die BaFin, das böse Erwachen und das Jahr 2022
Dann kam das Jahr 2022 – und mit ihm das Erwachen.
Die BaFin untersagte dem schwäbischen Goldhaus aus Adelsheim den Vertrieb seines Angebots „Strategie Plus“.
Die Begründung war so trocken wie eindeutig:
„Die Ophira Handelshaus GmbH hat keinen von der BaFin gebilligten Verkaufsprospekt veröffentlicht, der die nach dem VermAnlG erforderlichen Angaben enthält.“
Mit anderen Worten:
Wer Geldanlagen vertreibt, sollte vorher das Gesetz lesen –
nicht nur die eigenen Hochglanzbroschüren.
Dass es bis zum Eingreifen dauerte, lag wohl weniger an der Schwere des Falls als an der Bürokratie –
oder, wie es so schön heißt, an der „Erweiterung des Anwendungsbereichs durch das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz“.
Ein Wort, das länger hält als manches Geschäftsmodell.
Das Ende glänzt nicht – es oxidiert
Und nun also die Insolvenz.
Das Verbot? Überholt.
Der Markt? Ernüchtert.
Das Vertrauen? Eingeschmolzen.
Die Insolvenz ist damit gewissermaßen der letzte Prospekt,
nur einer, den keiner billigen musste.
Und jetzt? – Die Frage, die bleibt
Bleibt am Ende die eine, entscheidende Frage:
Liegt das Gold, das angeblich sicher verwahrt wurde, tatsächlich dort, wo es laut Prospekt liegen sollte?
Oder erleben wir hier den Beginn einer jener Geschichten,
bei denen es später heißt:
„Alles war da – nur leider nicht mehr auffindbar.“
Gold mag beständig sein.
Aber Geschäftsmodelle, die auf schönen Worten, Hochglanz und Halbwahrheiten ruhen,
sind es selten.
Wird aus der Insolvenz der Ophira Handelshaus GmbH also noch eine Kriminalinsolvenz?
Das wird sich zeigen –
sobald jemand nachschaut, was wirklich noch im Tresor liegt.