Die angespannte Wirtschaftslage in Deutschland trifft die Zeitarbeitsbranche besonders hart. Nach einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform schrumpft das Geschäft mit Leiharbeitern spürbar – ein deutliches Signal für die Schwäche der gesamten Industrie.
„Die Industrie als einer der Hauptkunden der Zeitarbeit steckt im Krisenmodus und reduziert den Personalbestand“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung. Besonders in der verarbeitenden Industrie, im Maschinenbau und in der Automobilbranche seien viele Unternehmen gezwungen, ihre Belegschaften anzupassen.
Die Folgen sind dramatisch: Im zweiten Quartal 2025 ging der Umsatz der Leiharbeitsfirmen um 7,4 Prozent zurück – ein deutlicher Einbruch, der zeigt, wie empfindlich die Branche auf Konjunkturschwächen reagiert. Denn Zeitarbeit gilt traditionell als Frühindikator für den gesamten Arbeitsmarkt: Sobald Unternehmen Aufträge verlieren, werden zunächst befristete Kräfte und Leiharbeiter abgebaut.
Neben der schwachen Nachfrage setzen auch hohe Lohnkosten, steigende Energiepreise und eine anhaltende Investitionszurückhaltung die Branche unter Druck. Viele Betriebe müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen, um wirtschaftlich über Wasser zu bleiben.
Dennoch sehen Experten auch Chancen: In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels könnte Zeitarbeit langfristig wieder an Bedeutung gewinnen – etwa, wenn Unternehmen mehr Flexibilität bei kurzfristigen Projekten benötigen oder spezialisierte Arbeitskräfte nur zeitweise einsetzen wollen.
Bis dahin jedoch bleibt die Lage angespannt. Creditreform warnt, dass sich die Durststrecke bis ins kommende Jahr hineinziehen könnte – insbesondere, wenn die Industriekonjunktur nicht bald an Fahrt gewinnt.