Feuchttücher sind aus vielen Haushalten kaum wegzudenken – ob für Babys, in der Kosmetik oder beim Putzen. Doch was als praktische Alltagshilfe beginnt, wird zunehmend zu einem teuren Umweltproblem. Denn viele Verbraucher spülen die Tücher achtlos in die Toilette – mit gravierenden Folgen für das Abwassersystem.
„Feuchttücher-Zöpfe“ und verstopfte Pumpen
Der Abwasserverband DWA Nord schlägt Alarm. „In der Regel sind diese Feuchttücher mit Kunststoffanteilen versetzt, die das Material dehnbar und reißfest machen“, erklärt Ralf Hilmer, Geschäftsführer der DWA Nord. Genau diese Robustheit führt zu massiven Problemen in den Leitungen und Klärwerken. Die Tücher verfangen sich in Pumpen, bilden sogenannte ‚Feuchttücher-Zöpfe‘ und führen zu kostspieligen Verstopfungen.
„Diese Schäden werden am Ende über die Abwassergebühren von allen Bürgerinnen und Bürgern bezahlt“, so Hilmer. Allein in Niedersachsen entstehen dadurch jedes Jahr Millionenkosten für die Kommunen.
Umweltminister Meyer: Hersteller sollen zahlen
Nun will die Politik eingreifen. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) fordert, dass künftig die Hersteller für die Beseitigungskosten aufkommen. „Wir sollten überlegen, die Verursacher mit Abgaben heranzuziehen“, sagte Meyer im Gespräch mit NDR Niedersachsen.
Ihm gehe es dabei nicht nur um klassische Feuchttücher, sondern auch um feuchtes Toilettenpapier mit Plastikanteilen. „Es ist unfair, dass die Verbraucher derzeit für die Probleme aufkommen müssen“, betont der Minister.
Meyers Vorschlag: eine Herstellerabgabe, ähnlich wie bei Verpackungsmaterial oder Einwegplastik. Mit den Einnahmen könnten Kommunen entlastet und die Reinigungskosten gedeckt werden.
Streit über Alternativen – Verbot oder Innovation?
Während Niedersachsen über eine Abgabe nachdenkt, fordern andere Stimmen ein vollständiges Verbot von Feuchttüchern mit Kunststoffanteilen. Großbritannien ist hier Vorreiter: Dort wird bereits seit Längerem über ein Verkaufsverbot diskutiert, nachdem sich in der Themse eine „Feuchttücher-Insel“ gebildet hat – ein Symbol für das Ausmaß des Problems.
Umweltverbände begrüßen Meyers Vorstoß, fordern aber ein konsequenteres Vorgehen. „Solange Produkte mit Mikroplastik in Umlauf sind, verschieben wir das Problem nur“, heißt es aus Kreisen des Naturschutzbundes. Hersteller wiederum verweisen auf laufende Forschungsprojekte zu biologisch abbaubaren Alternativen und warnen vor einem pauschalen Verbot.
Verantwortung im Alltag
Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren Beitrag leisten. Feuchttücher gehören nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll. Diese einfache Regel könnte bereits einen Großteil der Schäden verhindern.
Doch klar ist: Ohne politische Maßnahmen und Druck auf die Industrie wird sich das Problem kaum lösen lassen. Ob es am Ende eine Abgabe, ein Verbot oder neue Materialien sein werden – die Diskussion über den richtigen Weg hat gerade erst begonnen.