Einsamkeit ist längst kein Randphänomen mehr – sie betrifft zunehmend Menschen aller Altersgruppen, besonders in wohlhabenden Industrienationen. Eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass sowohl junge Menschen als auch Senioren in den vergangenen Jahren deutlich seltener soziale Kontakte pflegen.
Rückzug der jungen Generation
Besonders alarmierend ist der Trend bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Unter den 16- bis 24-Jährigen ist der Anteil derjenigen, die täglich Kontakt zu Freunden haben, von 44 Prozent im Jahr 2015 auf nur noch 36 Prozent im Jahr 2022 gesunken.
Gründe dafür sehen die Forscher in einer Kombination aus Digitalisierung, veränderten Freizeitgewohnheiten und den Folgen der Corona-Pandemie, die viele soziale Netzwerke geschwächt haben. Trotz ständiger Online-Kommunikation fühlen sich viele junge Menschen emotional isoliert – echte Nähe und persönliche Begegnungen werden seltener.
Senioren zunehmend abgeschnitten
Auch bei älteren Menschen zeigt sich eine deutliche Verschlechterung: Der Anteil der über 65-Jährigen, die angeben, nie Freunde zu treffen, stieg im selben Zeitraum um 5,5 Prozentpunkte auf 11,4 Prozent. Viele Senioren leben allein, und soziale Netzwerke dünnen mit zunehmendem Alter aus. Hinzu kommen gesundheitliche Einschränkungen, Mobilitätsprobleme oder der Verlust des Partners.
Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung
Die OECD warnt, dass Einsamkeit nicht nur das seelische Wohlbefinden, sondern auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigt. Studien zeigen, dass dauerhafte Isolation ähnliche gesundheitliche Risiken birgt wie Rauchen oder Bewegungsmangel. Die Folge können Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung sein.
Appell an Politik und Gesellschaft
Experten fordern daher gezielte Maßnahmen gegen soziale Isolation – von mehr Begegnungsräumen für Jugendliche bis hin zu Nachbarschaftsprojekten und Seniorenprogrammen, die Austausch und Gemeinschaft fördern. Auch Bildungseinrichtungen und Unternehmen sollen stärker darauf achten, soziale Kontakte und zwischenmenschliche Bindungen zu unterstützen.
Fazit
Die OECD-Studie macht deutlich: Einsamkeit ist zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden. Während junge Menschen zunehmend in digitalen Welten vereinsamen, verlieren ältere Menschen reale soziale Verbindungen. Der wachsende Mangel an echter Nähe ist ein Warnsignal – für Politik, Gesellschaft und jeden Einzelnen.