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90-Millionen-Euro-Verlust bei öffentlichem IT-Dienstleister Dataport – Kritik an „planlosem Vorgehen“

geralt (CC0), Pixabay

Der öffentliche IT-Dienstleister Dataport hat mit seinem Großprojekt „Phoenix“ einen massiven finanziellen Rückschlag erlitten. Das Unternehmen aus Altenholz bei Kiel, das für mehrere norddeutsche Bundesländer tätig ist, verzeichnet einen Verlust von rund 90 Millionen Euro. Das Projekt sollte eine Microsoft-unabhängige Arbeitsplatzlösung für Behörden schaffen – doch die Nachfrage blieb hinter den Erwartungen zurück.

„Phoenix“ sollte künftig Programme wie Word, Excel und Outlook in Schleswig-Holsteins Landesverwaltung ersetzen und den Weg in eine Open-Source-Zukunft ebnen. Doch die Entwicklungskosten stiegen, während sich zu wenige Abnehmer fanden. Teile des Systems wurden schließlich in das Bundesprojekt „OpenDesk“ integriert – jedoch ohne finanzielle Entschädigung für Dataport. So entstand die hohe Verlustsumme, wie das Unternehmen auf seiner Webseite erklärte.

Nach eigenen Angaben sei der Verlust auch das Ergebnis einer „strategischen Neuausrichtung des Bundes“, aber ebenso von Fehlern in der Projektumsetzung. Eine Sonderabschreibung von rund 36,5 Millionen Euro wurde bereits vorgenommen.

Politisch sorgt das Debakel für erheblichen Druck. SPD und FDP im Schleswig-Holsteinischen Landtag fordern Aufklärung und werfen Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) als stellvertretendem Verwaltungsratsvorsitzenden von Dataport Mitverantwortung vor. „Steuerzahler haben ein Recht darauf, dass öffentliche Mittel effizient und mit größter Sorgfalt eingesetzt werden“, heißt es aus Reihen der Opposition.

Die Staatskanzlei betonte, dass für die beteiligten Bundesländer keine Nachschusspflicht bestehe. Ein wirtschaftlicher Warnhinweis sei bereits im Mai 2024 erfolgt – damals habe sich gezeigt, dass das Programm technisch zwar funktioniere, finanziell jedoch nicht tragbar sei.

Der Bund der Steuerzahler kritisierte ein „mangelhaft koordiniertes und planloses Vorgehen“. Dataport sei mit erheblichem Aufwand in Vorleistung gegangen, habe aber keine Gegenleistung für die in das Bundesprojekt überführten Entwicklungen erhalten.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung – und zeigt, wie schwer es ist, staatliche IT-Projekte wirtschaftlich und nachhaltig umzusetzen.

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