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Blauzungenkrankheit breitet sich aus: Litauen meldet erste Fälle bei Rindern

NickyPe (CC0), Pixabay

In Litauen wurde erstmals seit Jahren wieder die Blauzungenkrankheit (infektiöses katarrhalisches Fieber, ICF) bei Rindern festgestellt. Nach Angaben des litauischen Lebensmittel- und Veterinärdienstes (VMVT) wurden in fünf Milchviehbetrieben im Südwesten des Landes Laborbefunde positiv getestet. Auffällig: Bei den betroffenen Kühen traten keine klinischen Krankheitsanzeichen auf.

Die Blauzungenkrankheit, die vor allem Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen befällt, wird durch blutsaugende Insekten – insbesondere Stechmücken der Gattung Culicoides – übertragen. Das Virus selbst ist nicht auf den Menschen übertragbar und stellt keine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit dar. Dennoch gilt die Erkrankung als hochansteckend unter Tieren und kann erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.

Vermehrte Ausbrüche in Europa

Die Blauzungenkrankheit zirkuliert derzeit in mehreren europäischen Ländern. Noch zu Jahresbeginn war Polen das Lettland am nächsten gelegene Land mit bestätigten Fällen, nun hat auch Litauen die Seuche nachgewiesen. Der lettische Lebensmittel- und Veterinärdienst (PVD) hat daraufhin die Überwachung im eigenen Land verstärkt, um eine mögliche Ausbreitung frühzeitig zu erkennen.

Das PVD untersucht im Rahmen eines nationalen Überwachungsprogramms regelmäßig Blutproben von Schafen, Ziegen und Rindern. Die Proben werden nach regionaler Populationsdichte entnommen. Bislang sind alle Tests in Lettland negativ, das Land gilt weiterhin als frei von der Blauzungenkrankheit.

Symptome und Krankheitsverlauf

Am stärksten betroffen sind Schafe, bei denen die Krankheit häufig einen schweren Verlauf nimmt. Typische Symptome sind:

  • Nasen- und Augenausfluss

  • Atemnot und Fieber

  • Schwellungen an Lippen, Augenlidern, Nasenlöchern und im Maul

  • bläuliche Verfärbung der Zunge („Blauzunge“) durch Sauerstoffmangel

  • Appetitlosigkeit, Lethargie und Lahmheit

Viele Tiere sterben innerhalb weniger Tage an Erstickung oder Komplikationen. Überlebende Tiere können chronisch krank werden, verlieren an Gewicht und zeigen entzündete Hufkronen oder Hautveränderungen.

Bei Rindern und Ziegen verläuft die Infektion meist milder oder sogar ohne sichtbare Symptome. In Milchviehbetrieben kann jedoch ein Rückgang der Milchleistung beobachtet werden. Da infizierte Rinder das Virus über mehrere Wochen ausscheiden können, stellen sie ein Risiko für die Weiterverbreitung dar.

Behandlung und Maßnahmen

Eine gezielte Behandlung gegen das Virus gibt es nicht. Infizierte Tiere werden symptomatisch behandelt, also nur hinsichtlich ihrer Beschwerden. Gleichzeitig werden betroffene Herden unter strenge tierärztliche Überwachung gestellt.

Tierhalter, die den Verdacht auf eine Infektion haben, sind verpflichtet, sofort ihren Tierarzt zu informieren. Dieser entscheidet gemeinsam mit den Veterinärbehörden über die weiteren Schritte.

Impfungen nur bei Seuchenausbruch erlaubt

Sollte ein Land seinen Status als „frei von der Blauzungenkrankheit“ verlieren, können regionale Impfprogramme genehmigt werden. In Lettland sind derzeit drei Impfstoffe gegen den Serotyp 3 zugelassen:

  • BioBos BTV 3 (für Schafe und Rinder)

  • BLUEVAC-3 (für Schafe und Rinder)

  • Syvazul BTV 3 (für Schafe)

Eine prophylaktische Impfung ohne Anlass ist jedoch verboten. Ziel ist es, Impfungen gezielt nur in betroffenen Regionen einzusetzen, um unnötige Eingriffe in seuchenfreie Gebiete zu vermeiden.

Bedeutung für die Landwirtschaft

Auch wenn die Blauzungenkrankheit nicht auf den Menschen übertragbar ist, stellt sie eine ernsthafte Bedrohung für die Tierhaltung dar. Ausbrüche führen zu Handelsbeschränkungen, Transportverboten und wirtschaftlichen Verlusten in der Milch- und Fleischproduktion.

Die aktuellen Fälle in Litauen zeigen, dass sich die Krankheit – vermutlich durch den Klimawandel begünstigt – immer weiter nach Norden ausbreitet. Steigende Temperaturen verlängern die Aktivitätszeit der übertragenden Insekten, was eine zunehmende Verbreitung in zuvor kühleren Regionen Europas wahrscheinlich macht.

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