Der Lewotobi Laki-Laki, einer der bekanntesten Vulkane Indonesiens, ist erneut ausgebrochen und hat weite Teile der Insel Flores unter eine dichte Ascheschicht gelegt. Augenzeugen berichten von lauten Detonationen, gefolgt von einer bis zu acht Kilometer hohen Aschewolke, die sich rasch über die Region ausbreitete.
Die Behörden reagierten mit Alarmstufe 3 auf der vierstufigen Skala – ein klares Signal für mögliche Evakuierungen in den kommenden Tagen. Bereits jetzt sind mehrere Dörfer im Umkreis von fünf Kilometern evakuiert worden. Schulen und öffentliche Einrichtungen bleiben vorerst geschlossen. Der Flughafen von Maumere stellte den Betrieb vollständig ein, da die Aschepartikel den Flugverkehr massiv gefährden.
Die indonesische Katastrophenschutzbehörde (BNPB) teilte mit, dass mehr als 2.000 Menschen in Notunterkünften Zuflucht gefunden hätten. Dort werden sie mit Wasser, Atemschutzmasken und Nahrungsmitteln versorgt. „Wir versuchen, Panik zu vermeiden, aber die Menschen sind besorgt – viele erinnern sich an frühere Ausbrüche“, sagte ein Sprecher der Behörde.
Der Vulkan Lewotobi Laki-Laki, dessen Name übersetzt „der männliche Lewotobi“ bedeutet, liegt direkt neben seinem „weiblichen“ Gegenstück Lewotobi Perempuan. Beide gelten als Zwillingsvulkane und sind für ihre unberechenbaren Aktivitätsmuster bekannt. Bereits im Januar hatte eine Eruption des Lewotobi Laki-Laki mehrere Dörfer unter Asche begraben und rund 7.500 Menschen zur Flucht gezwungen.
Geologen beobachten derzeit verstärkte seismische Aktivitäten und Magmabewegungen im Untergrund. „Es besteht die Möglichkeit weiterer Eruptionen in den nächsten Tagen“, warnte das Vulkanologische Zentrum in Bandung. Besonders gefährlich seien pyroklastische Ströme – heiße Gas- und Aschewolken, die mit hoher Geschwindigkeit Hänge hinabstürzen können.
Indonesien, das über mehr als 120 aktive Vulkane verfügt, erlebt regelmäßig Ausbrüche. Die Lage auf Flores erinnert an die Ausbrüche des Mount Semeru auf Java und des Mount Sinabung auf Sumatra in den letzten Jahren, die ebenfalls zu Evakuierungen und massiven Schäden führten.
Für die Bevölkerung bedeutet der aktuelle Ausbruch erneut Unsicherheit und wirtschaftliche Belastung: Landwirtschaftliche Flächen wurden bereits durch Ascheregen unbrauchbar, Trinkwasserquellen sind verschmutzt, und der Tourismus – eine wichtige Einnahmequelle der Region – liegt vorerst lahm.
Der indonesische Präsident Joko Widodo rief zur nationalen Solidarität auf: „Unsere Priorität ist der Schutz der Menschen. Wir werden alles tun, um Leben und Lebensgrundlagen zu sichern.“
Der Lewotobi Laki-Laki zeigt eindrucksvoll, dass Indonesien zwar mit atemberaubender Natur gesegnet ist – diese Schönheit jedoch oft ihren Preis in Form zerstörerischer Naturgewalten fordert.