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WHO schlägt Alarm: Weltweite Antibiotikaresistenz nimmt drastisch zu

JerzyGórecki (CC0), Pixabay

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat neue Zahlen veröffentlicht, die das Ausmaß der weltweiten Antibiotikaresistenz verdeutlichen – und die Fachwelt alarmieren. Zwischen 2018 und 2023 untersuchte die WHO Daten zu Hunderten Bakterienstämmen und verschiedenen Antibiotika. Das Ergebnis: In über 40 Prozent der getesteten Kombinationen nahm die Resistenz messbar zu, bei manchen Erregern sogar um bis zu 15 Prozent jährlich.

Immer mehr Infektionen lassen sich nicht mehr behandeln

Besonders dramatisch ist die Situation bei Krankheitserregern, die Infektionen der Atemwege, Harnwege und Wunden verursachen. Bei Escherichia coli, einem häufigen Erreger von Harnwegsinfektionen, sind mittlerweile mehr als die Hälfte der gängigen Antibiotika unwirksam. Auch bei Klebsiella pneumoniae oder Staphylococcus aureus (MRSA) verschärft sich die Lage.
In manchen Regionen Afrikas, Asiens und Südamerikas werden Infektionen, die früher leicht behandelbar waren, wieder lebensbedrohlich.

Eine wachsende Gefahr – auch für Industrieländer

Doch auch Europa ist betroffen: Die Europäische Seuchenbehörde ECDC schätzt, dass allein in der EU jährlich rund 35.000 Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen sterben. Weltweit liegt die Zahl laut WHO bereits bei über 1,2 Millionen Todesfällen pro Jahr – Tendenz steigend.

Dr. Maria van Kerkhove, WHO-Expertin für Infektionskrankheiten, spricht von einer „stillen Pandemie“, die „langsamer, aber stetig“ die globale Gesundheitsversorgung untergräbt. „Wir stehen kurz davor, in eine Ära zurückzufallen, in der einfache bakterielle Infektionen wieder tödlich enden können“, warnte sie.

Ursachen: Zu viel, zu oft, zu unkontrolliert

Die Gründe für die wachsende Resistenz sind bekannt – und selbstverschuldet:

  • Übermäßiger Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin, oft bei viralen Infekten, bei denen sie gar nicht wirken.

  • Massiver Gebrauch in der Tiermast, um das Wachstum zu fördern oder Krankheiten vorzubeugen.

  • Unkontrollierte Abgabe in manchen Ländern, wo Antibiotika ohne Rezept erhältlich sind.

  • Fehlende Hygiene und unzureichende Abwasserbehandlung, wodurch resistente Keime in Umwelt und Trinkwasser gelangen.

WHO fordert globales Handeln

Die WHO ruft Regierungen weltweit auf, nationale Aktionspläne gegen Antibiotikaresistenz endlich konsequent umzusetzen. Dazu zählen:

  • Strengere Verschreibungspflichten für Antibiotika,

  • Investitionen in Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe,

  • Förderung alternativer Therapien, wie Phagenbehandlungen,

  • und ein besseres Monitoring der Resistenzentwicklung.

Auch in Deutschland warnt das Robert Koch-Institut (RKI), dass die „Reserveantibiotika“, die als letzte Verteidigungslinie dienen, zunehmend ihre Wirkung verlieren.

Fazit:

Die Zahlen der WHO sind ein Weckruf: Die Weltgemeinschaft steht an einem Wendepunkt. Wenn der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika nicht drastisch eingeschränkt wird, droht eine Zukunft, in der Routineeingriffe, Lungenentzündungen oder sogar kleine Verletzungen wieder lebensgefährlich werden könnten.
Die WHO mahnt: „Antibiotikaresistenz ist kein Zukunftsproblem – sie ist längst hier.“

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