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Tschechien testet Tempo 150 – schneller fahren, aber nur bei Sonnenschein

geralt (CC0), Pixabay

Auf Tschechiens Autobahnen darf seit Kurzem auf bestimmten Streckenabschnitten 150 Kilometer pro Stunde gefahren werden – zumindest im Rahmen eines Pilotprojekts. Damit ist Tschechien das erste Land in Mittelosteuropa, das ein solch hohes Tempolimit offiziell zulässt.

Die Gesetzesänderung, die bereits vor über zwei Jahren vom Parlament beschlossen wurde, trat nun endlich in Kraft. Seit Sonntag gilt das neue Limit auf einem 47 Kilometer langen Abschnitt der Autobahn D3 zwischen Prag und Budweis – allerdings nur unter günstigen Witterungsbedingungen und mit einer technisch überwachten Regelung.

Automatische Anpassung an Wetter und Verkehr

Das System funktioniert dynamisch: Die elektronischen Verkehrsschilder zeigen nur dann „150 km/h“ an, wenn gute Sicht, trockene Fahrbahn und mäßiger Verkehr herrschen. Wird das Wetter schlechter oder der Verkehr dichter, schalten die Anzeigen automatisch zurück – zunächst auf 130 km/h, bei Regen oder Nebel sogar auf 100 km/h. Grundlage sind Daten von Wetterstationen, Kameras und Sensoren, die in Echtzeit ausgewertet werden.

Kritiker warnen vor mehr Unfällen

Während viele Autofahrer die neue Regelung als Schritt in Richtung „moderne Mobilität“ begrüßen, äußern Verkehrssicherheits- und Umweltverbände deutliche Kritik. Sie warnen, dass höhere Geschwindigkeiten das Unfallrisiko und die Lärmbelastung erhöhen könnten. Zudem sei zweifelhaft, ob sich die Infrastruktur auf Dauer für das höhere Tempo eigne.

„Ein paar Kilometer Zeitgewinn rechtfertigen kein höheres Unfallrisiko“, sagte ein Sprecher des tschechischen Verkehrssicherheitsrats.

Mechanische Schilder statt Hightech

Ursprünglich sollten teure LED-Anzeigen eingesetzt werden, doch um Kosten zu sparen, kommen zunächst mechanisch umschaltbare Schilder zum Einsatz. Diese sollen später bei Erfolg des Tests durch digitale Systeme ersetzt werden.

Testlauf als möglicher Vorbote

Sollte der Test auf der D3 erfolgreich verlaufen, könnten bald weitere Autobahnabschnitte folgen – etwa auf der D1 Richtung Brünn oder auf der D5 Richtung Pilsen. Das Verkehrsministerium will nach einem Jahr prüfen, ob sich die Zahl der Unfälle, der Verkehrsfluss und die Emissionswerte verändert haben.

Tschechien reiht sich damit in eine wachsende Zahl europäischer Länder ein, die über flexible Tempolimits nachdenken – mit dem Ziel, Verkehrssicherheit, Effizienz und Umweltaspekte miteinander zu verbinden.

Ob Tempo 150 künftig dauerhaft erlaubt bleibt, hängt nun von den Ergebnissen des Testbetriebs ab – und vom Verhalten der Autofahrer.

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