E-Scooter gehören inzwischen fest zum Stadtbild – in Berlin, München, Hamburg oder Köln sind sie aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Doch mit ihrer wachsenden Popularität steigt auch die Zahl der Unfälle deutlich an. Nach Angaben der Polizei und des Statistischen Bundesamts wurden allein im vergangenen Jahr über 9.000 E-Scooter-Unfälle registriert, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Das entspricht einem Anstieg von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Hauptursachen: kleine Räder, Alkohol und fehlende Fahrpraxis
Laut Unfallforschern sind technische Schwächen und mangelnde Erfahrung der Nutzer die Hauptursachen für viele Unfälle. Besonders gefährlich: die kleinen Räder der Roller. Sie geraten auf unebenen Straßen, Kopfsteinpflaster oder bei Schlaglöchern schnell ins Schlingern. Ein Moment der Unaufmerksamkeit reicht oft aus, um die Kontrolle zu verlieren.
„Diese Fahrzeuge sind für perfekte Asphaltstraßen gebaut – nicht für den typischen Stadtverkehr mit Bordsteinen, Straßenbahnschienen oder Pflastersteinen“, erklärt ein Sprecher der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Er fordert daher größere Räder mit besserer Federung, um das Unfallrisiko deutlich zu senken.
Hinzu kommt der Faktor Alkohol: Laut Polizeiangaben steht bei rund jeder dritten E-Scooter-Fahrt mit Unfallfolge Alkohol im Spiel. Da E-Scooter als Kraftfahrzeuge gelten, gelten auch hier die gleichen Promillegrenzen wie beim Autofahren – doch das ist vielen nicht bewusst. „Viele Fahrer denken, sie fahren ein Spielzeug. In Wahrheit gelten dieselben Regeln wie im Straßenverkehr“, so der Verkehrsforscher.
Forderung nach Führerscheinpflicht
Neben technischen Verbesserungen wird zunehmend auch über eine Führerscheinpflicht diskutiert. Bislang dürfen E-Scooter ab 14 Jahren ohne Fahrprüfung gefahren werden. Kritiker halten das für gefährlich.
„Ein Mindestmaß an Verkehrserziehung sollte verpflichtend sein“, sagt der Verkehrsexperte Siegfried Brockmann. Er schlägt einen eigenständigen E-Scooter-Führerschein oder eine Schulung nach Mofa-Vorbild vor, um Grundkenntnisse über Verkehrsregeln, Bremsverhalten und Gefahreneinschätzung zu vermitteln.
Städte zwischen Freiheit und Regulierung
In vielen Großstädten sorgt das Thema auch politisch für Diskussionen. Kommunen kämpfen mit falsch abgestellten Scootern, Behinderungen auf Gehwegen und steigenden Unfallzahlen. Manche Städte, wie Paris, haben bereits Konsequenzen gezogen – dort wurden die Leihscooter nach einem Bürgerentscheid komplett verboten.
In Deutschland sind solche Schritte bisher nicht geplant. Stattdessen will man auf bessere Aufklärung und strengere Kontrollen setzen. In Hamburg etwa testet man Zonen, in denen E-Scooter automatisch langsamer fahren.
Zwischen Lifestyle und Risiko
Trotz der Kritik bleibt der Trend ungebrochen. Besonders junge Menschen schätzen die Roller als schnelle, flexible und klimafreundliche Alternative zum Auto. Doch Experten warnen: Sicherheit dürfe dabei nicht auf der Strecke bleiben.
„E-Scooter können Teil einer nachhaltigen urbanen Mobilität sein – aber nur, wenn sie sicher gestaltet und verantwortungsvoll genutzt werden“, so das Fazit der Unfallforscher.
Die Politik steht nun vor der Aufgabe, die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden – bevor die Zahl der Unfälle weiter steigt.