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EU nimmt US-Techriesen wegen mangelndem Kinderschutz ins Visier

raphaelsilva (CC0), Pixabay

Die Europäische Kommission hat eine neue Welle von Ermittlungen gegen führende US-Techkonzerne eingeleitet. Im Zentrum der Untersuchung stehen Apple, Google, YouTube und Snapchat. Die Brüsseler Behörde wirft den Plattformen vor, Kinder und Jugendliche unzureichend vor schädlichen Inhalten, Manipulation und kommerzieller Ausbeutung zu schützen.

Verdacht auf Verstöße gegen den Digital Services Act

Die Verfahren laufen im Rahmen des Digital Services Act (DSA) – dem wichtigsten EU-Gesetz zur Regulierung großer Onlineplattformen. Es verpflichtet Tech-Unternehmen, Risiken für Kinder systematisch zu bewerten, zu verhindern und transparent zu machen. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – für Konzerne wie Apple oder Google wären das Milliardenbeträge.

EU-Digitalkommissarin Margrethe Vestager betonte, die Kommission sehe „deutliche Anhaltspunkte“, dass einige Anbieter ihre Sorgfaltspflichten gegenüber Minderjährigen nicht erfüllen. Die angeforderten Informationen betreffen unter anderem:

  • die Wirksamkeit von Altersüberprüfungen,

  • den Schutz vor Glücksspiel-Apps und In-App-Käufen,

  • den Umgang mit personalisierten Werbeanzeigen,

  • sowie die Transparenz der algorithmischen Empfehlungen.

YouTube im Fokus: Altersfilter leicht zu umgehen

Die Kommission vermutet, dass Altersbeschränkungen bei YouTube leicht zu umgehen sind. Viele Kinder könnten sich durch falsche Angaben oder fehlende Verifizierungen Zugang zu Inhalten verschaffen, die Gewalt, Pornografie oder Glücksspielwerbung enthalten.

„Das ist kein Randproblem, sondern betrifft Millionen Kinder in der EU“, erklärte eine Sprecherin der Kommission. Eltern und Verbraucherschützer kritisieren seit Jahren, dass Google mit YouTube Kids zwar eine alternative Plattform anbietet, diese jedoch nur eingeschränkt wirksam filtert.

Apple und Google: Glücksspiel-Apps und Datensammelei

Auch die App-Stores von Apple und Google stehen unter Verdacht. Die EU will klären, ob Minderjährige dort unerlaubt Glücksspiel-Apps herunterladen oder spielen können, die eigentlich nur für Erwachsene zugelassen sind.

Darüber hinaus untersucht Brüssel, ob die Plattformen durch In-App-Käufe und personalisierte Werbung gegen den Datenschutz von Kindern verstoßen. Immer wieder hatten Verbraucherschützer kritisiert, dass Kinder über aggressive Spielmechanismen zu Ausgaben verleitet würden.

Ein weiterer Punkt der Ermittlungen: Inwieweit App-Entwickler Daten von Minderjährigen erfassen und zu Werbezwecken verwenden dürfen – ein zentraler Streitpunkt, seit der DSA ausdrücklich „kommerzielle Ausnutzung kindlicher Daten“ verbietet.

Snapchat: Gefahr von Suchtverhalten und Mobbing

Auch Snapchat, die besonders bei Jugendlichen beliebte Plattform, steht in der Kritik. Die EU verlangt Auskunft darüber, wie das Unternehmen mit Cybermobbing, Sextortion (Erpressung mit intimen Bildern) und Suchtmechanismen durch Belohnungssysteme umgeht.

Insbesondere der Algorithmus, der den sogenannten „Snap-Streaks“ und Empfehlungsmechanismen zugrunde liegt, soll auf psychologische Anreize setzen, die Kinder zum Dauergebrauch bewegen. Solche Funktionen stehen zunehmend im Verdacht, digitale Abhängigkeit zu fördern.

Europäische Konsequenzen denkbar

Die Kommission hat den betroffenen Unternehmen nun Fristen gesetzt, um umfassend zu antworten. Bleiben die Antworten unbefriedigend oder offenbaren sie systematische Verstöße, könnten förmliche Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Diese können bis hin zu Verkaufsbeschränkungen oder Bußgeldern führen.

Der deutsche EU-Abgeordnete Tiemo Wölken (SPD) begrüßte das Vorgehen:

„Die Zeit der freiwilligen Selbstkontrolle ist vorbei. Tech-Konzerne müssen endlich die Verantwortung übernehmen, Kinder konsequent vor Online-Gefahren zu schützen.“

Ein europäischer Wendepunkt im Plattformrecht

Die Ermittlungen markieren eine neue Phase der europäischen Digitalaufsicht. Erstmals richtet sich die Kommission direkt gegen Plattformen, die bei Jugendlichen hohe Reichweiten erzielen, und prüft, ob ihre Produkte gezielt auf kindliche Nutzerverhalten ausgerichtet sind – ohne ausreichenden Schutz.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dürfte die EU ein deutliches Exempel statuieren. Für die Tech-Giganten aus den USA wäre das ein politisches und finanzielles Warnsignal, dass die Ära der laxer Aufsicht über Kinderschutz im Netz endgültig vorbei ist.

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