Die irische Fischerei steht vor einer ihrer größten Krisen seit Jahrzehnten. Grund ist die Empfehlung des International Council for the Exploration of the Sea (ICES), die Fangquoten für zentrale Fischarten im Nordatlantik massiv zu senken. Branchenvertreter sprechen von einem drohenden „wirtschaftlichen Armageddon“, das die Existenz vieler Küstengemeinden gefährden könnte.
Dramatische Kürzungen empfohlen
Laut dem aktuellen ICES-Gutachten soll die EU-Makrelenquote im Jahr 2026 um 70 Prozent reduziert werden. Auch für Blauen Wittling (−41 %) und Eberfisch (−22 %) empfehlen die Wissenschaftler deutliche Kürzungen. Hintergrund sind alarmierende Bestandsentwicklungen in den Nordmeeren:
„Der Makrelenbestand liegt unterhalb einer sicheren biologischen Grenze, das Laichen steht unter erheblichem Druck“, heißt es in dem Bericht.
Seit 2010 seien die tatsächlichen Fänge im Nordostatlantik durchschnittlich 39 Prozent höher gewesen als die wissenschaftlich empfohlenen Mengen – ein Ergebnis jahrelanger Überfischung, die nun Folgen zeigt.
Ein Schock für Irlands wichtigste Fischart
Für Irland trifft die Maßnahme besonders die Makrele, den mit Abstand wertvollsten Fang des Landes. Der Exportwert belief sich zuletzt auf 94 Millionen Euro, vor allem in Märkte in Europa und Asien.
Eine Kürzung der Fangquote um 70 Prozent könnte laut Berechnungen der Irish Fish Producers Organisation (IFPO) den Exportwert um bis zu 66 Millionen Euro reduzieren – und damit Hunderte Arbeitsplätze in der Fischverarbeitung und auf den Fangflotten vernichten.
„Das ist ein Hammerschlag“, sagte Aodh O’Donnell, Geschäftsführer der IFPO. „Wenn diese Kürzungen umgesetzt werden, droht unserer pelagischen Fischereiflotte der Zusammenbruch.“
Kritik an jahrelanger Überfischung durch Nicht-EU-Staaten
O’Donnell sieht die Verantwortung nicht allein bei der EU-Fischerei. Vielmehr seien die jahrzehntelange Überfischung durch Nicht-EU-Küstenstaaten und ein mangelndes internationales Management die Hauptursachen. Länder wie Norwegen, Island und die Färöer-Inseln hätten wiederholt einseitig Quoten festgelegt, die weit über den EU-Vorgaben lagen.
„Wir zahlen jetzt den Preis für das, was andere über Jahre hinweg ignoriert haben“, so O’Donnell.
Der ICES-Bericht bestätigt, dass die „Summe der einseitigen Quoten für Makrelen seit 2010 regelmäßig die wissenschaftlichen Empfehlungen überschritten“ habe.
„Stunde der Not“ für Irlands Küstenregionen
Bei einem Treffen der pelagischen Fischereiindustrie mit dem irischen Fischereiminister Timmy Dooley im Hafen von Killybegs, einem der wichtigsten Fischerei-Standorte des Landes, schlug die Branche Alarm. Man befinde sich in einer „Stunde der Not“, sagte ein Vertreter.
In Orten wie Killybegs, Castletownbere und Howth hängen ganze Gemeinden wirtschaftlich vom Fang und der Verarbeitung pelagischer Arten wie Makrele oder Wittling ab. Eine drastische Quotenreduzierung könnte daher massive wirtschaftliche Verwerfungen und Abwanderung aus den Küstenregionen zur Folge haben.
Zwischen Nachhaltigkeit und Existenzsicherung
Die Regierung steht nun zwischen zwei Fronten: Einerseits verpflichtet sich Irland zur nachhaltigen Fischereipolitik der EU, die langfristig den Schutz der Bestände sichern soll. Andererseits droht kurzfristig der wirtschaftliche Kollaps ganzer Branchenzweige.
Minister Dooley zeigte Verständnis für die Sorgen der Fischer, betonte aber auch die Notwendigkeit wissenschaftlicher Vorgaben:
„Nachhaltigkeit ist die Grundlage unserer Zukunft – ohne gesunde Bestände gibt es keine Fischerei.“
Die Regierung will nun auf EU-Ebene Verhandlungen über Übergangsregelungen und eine gerechtere Lastenverteilung mit anderen Fangnationen anstoßen.
Fazit: Die Makrele als Symbol einer Krise
Die Krise um die Makrelenquote steht sinnbildlich für die Spannung zwischen Umwelt- und Wirtschaftspolitik in der europäischen Fischerei. Während der Schutz der Bestände dringend geboten ist, zeigt sich auch, wie abhängig Küstengemeinden von wenigen Arten und Märkten geblieben sind.
Für viele Fischer ist die Situation existenziell. Sollte die EU den Empfehlungen des ICES in vollem Umfang folgen, könnte Irlands pelagische Flotte in den kommenden Jahren dramatisch schrumpfen – und mit ihr ein ganzer Wirtschaftszweig, der über Generationen die Identität vieler Regionen geprägt hat.