Mit einem massiven Polizeieinsatz ist den Ermittlern in Nordrhein-Westfalen ein bedeutender Schlag gegen organisierte Betrüger gelungen: Bei einer großangelegten Razzia wurden 27 Tatverdächtige enttarnt, die sich als falsche Bankmitarbeiter ausgegeben und vor allem ältere Menschen systematisch betrogen haben sollen.
Die mutmaßliche Betrügerbande, bestehend aus Männern im Alter zwischen 18 und 26 Jahren, wurde in mehreren Städten in NRW ins Visier genommen. Darunter Dormagen, Köln, Düsseldorf, Kerpen, Bedburg, Bergheim und Erftstadt. Insgesamt 25 Wohnungen und Fahrzeuge wurden durchsucht, sechs Haftbefehle wurden bereits vollstreckt. Die Verdächtigen haben laut Behörden verschiedene Nationalitäten – darunter deutsch, syrisch, bulgarisch, rumänisch, italienisch, irakisch, kongolesisch, mazedonisch und somalisch.
Täter gaben sich am Telefon als Bankangestellte aus
Die Masche ist perfide – aber leider nicht neu: Die Täter meldeten sich telefonisch bei meist älteren Menschen und gaben sich als Mitarbeiter ihrer Hausbank aus. Mit geschickter Gesprächsführung behaupteten sie, es habe verdächtige Kontobewegungen gegeben. Um dies „zu prüfen“, bräuchte man die EC-Karte samt PIN – ein angeblicher Bankkurier würde diese gleich abholen.
Laut der zuständigen Staatsanwältin liefen die Gespräche stets nach einem ähnlichen Muster ab. Zunächst ohne Nennung einer konkreten Bank – um durch geschickte Fragen herauszufinden, bei welcher Bank das Opfer tatsächlich Kunde war.
Schaden von über 300.000 Euro
Die Ermittler gehen von mindestens 140 vollendeten Taten aus, die sich über NRW, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz verteilen. Der bislang bekannte Gesamtschaden liegt bei über 300.000 Euro – das tatsächliche Ausmaß könnte noch deutlich größer sein.
Die Polizei schließt Clan-Kriminalität oder politische Motive nach derzeitigem Stand aus. Vielmehr handele es sich um eine multinationale Tätergruppe, die offenbar professionell organisiert agierte.
Großaufgebot bei der Razzia im Einsatz
An der Aktion waren mehrere Hundert Beamte beteiligt, darunter Spezialeinheiten wie Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE). Auch Fahrzeuge wurden durchsucht, zahlreiche Beweismittel sichergestellt.
Die federführende Ermittlungskommission „EK Debit“ war bei der Kreispolizeibehörde Neuss angesiedelt und hatte bereits seit Monaten akribisch gegen die Gruppe ermittelt.
Festnahmen und Untersuchungshaft
Die sechs Hauptverdächtigen wurden am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Alle Haftbefehle wurden bestätigt – die Männer sitzen nun in Untersuchungshaft. Weitere Ermittlungen gegen mutmaßliche Mittäter laufen.
Hinweis der Polizei: Die Behörden warnen erneut eindringlich vor derartigen Betrugsmaschen. Echte Bankmitarbeiter fordern niemals am Telefon persönliche Daten oder Karten zur Abholung an. Angehörige werden gebeten, vor allem ältere Verwandte für solche Vorgehensweisen zu sensibilisieren.
Bei Zweifeln sollte stets die örtliche Polizei kontaktiert werden – und niemals sensible Daten am Telefon weitergegeben werden.