Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger hat den Umgang vieler Westdeutscher mit den Lebensleistungen der Menschen in der ehemaligen DDR kritisiert. Die saarländische Ministerpräsidentin sagte, nach der Wiedervereinigung sei vielfach der Eindruck entstanden, „der Osten müsse so werden wie der Westen“. Dadurch seien viele Errungenschaften und Erfahrungen der Ostdeutschen nicht ausreichend gewürdigt worden.
Rehlinger betonte, in Westdeutschland werde bis heute zu selten anerkannt, welche funktionierenden Strukturen es auch in der DDR gegeben habe. Als Beispiele nannte sie die Polikliniken sowie die umfassende Kinderbetreuung, die in der DDR flächendeckend angeboten worden seien.
Die Ministerpräsidentin plädierte für eine offenere und respektvollere Debatte über die Zeit nach der Wende. Es gehe nicht darum, alte Systeme zu idealisieren, sondern darum, Lebensleistungen anzuerkennen, die das Zusammenleben und den sozialen Zusammenhalt im Osten über Jahrzehnte geprägt hätten.