Redaktion: Herr Reime, Herr Iwanow – Sie beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit der CEHATROL Technology eG aus Berlin. Wie schätzen Sie die Lage der Genossenschaft aktuell ein?
Jens Reime: Kurz gesagt: bedenklich. Die Genossenschaft gibt sich nach außen modern und vielversprechend – doch bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass viele Versprechen nicht eingehalten, Projektziele nicht belegt und zugesagte Leistungen gegenüber Mitgliedern schlichtweg nicht erfüllt wurden. Seit über vier Jahren erreichen uns Beschwerden. Viele Mitglieder berichten von ausbleibenden Rückzahlungen, mangelhafter Kommunikation und einem völligen Mangel an Transparenz.
Michael Iwanow: Und das ist kein neues Phänomen. Wer sich die öffentlich zugänglichen Finanzberichte ansieht, erkennt: Die wirtschaftliche Lage ist fragil. Der Jahresabschluss 2022 weist über 1 Million Euro Jahresfehlbetrag aus – bei gleichzeitig stark gestiegenem Fremdkapital. Zugleich hat man das Eigenkapital nur durch neue Mitgliederbeiträge erhöht. Das ist aus genossenschaftlicher Sicht hochproblematisch – denn es könnte bedeuten, dass mit neuem Geld alte Löcher gestopft werden.
Redaktion: Was werfen Sie der Genossenschaft konkret vor?
Iwanow: Wir werfen niemandem pauschal etwas vor – aber wir stellen Fragen, die bisher unbeantwortet geblieben sind: Wo genau ist das Geld der Genossen investiert worden? Welche Projekte wurden tatsächlich umgesetzt? Und warum werden Auszahlungen oder Rückabwicklungen verweigert oder verzögert?
Reime: Der Eindruck, der sich uns aufdrängt, ist der eines Systems, das sich über Jahre hinweg durch vollmundige Ankündigungen und intransparente Strukturen selbst erhalten hat – ohne für die Mitglieder messbaren wirtschaftlichen Nutzen. Genau das widerspricht dem Grundgedanken einer Genossenschaft. Mitglieder haben ein Recht auf Transparenz – und ein Recht zu erfahren, was mit ihrem Geld geschehen ist.
Redaktion: Wie ordnen Sie die Rolle des Vorstands ein?
Reime: Nach unserer Einschätzung wird die Verantwortung einseitig beim Vorstand gebündelt – ohne funktionierendes Gegengewicht durch einen aktiven, unabhängigen Aufsichtsrat. Das ist aus juristischer Sicht äußerst bedenklich und öffnet Missbrauch Tür und Tor. Hinzu kommt, dass die Außendarstellung zum Teil systematisch geschönt erscheint – etwa durch eigene, mutmaßlich intern initiierte Fünf-Sterne-Bewertungen im Netz.
Iwanow: Wir reden hier von Millionenbeträgen. Dass über Jahre hinweg kein nachprüfbarer Projektfortschritt präsentiert wird, ist nicht nur ein Vertrauensbruch – sondern ein massiver Anlass zur rechtlichen Prüfung. Wenn wirtschaftliche Probleme verschleiert werden und Mitglieder im Unklaren gelassen werden, besteht der Verdacht, dass strukturell mehr im Argen liegt, als bisher zugegeben wird.
Redaktion: Was tun Sie konkret?
Reime: Wir haben gemeinsam eine Interessengemeinschaft gegründet, um betroffene Mitglieder der CEHATROL Technology eG zu bündeln, rechtlich aufzuklären und Rückforderungsansprüche zu prüfen. Ziel ist es, Transparenz herzustellen und notfalls auch auf dem Klageweg Kapital zurückzuholen, das unserer Ansicht nach möglicherweise zu Unrecht einbehalten wird.
Iwanow: Es ist völlig klar: Wer Genossenschaftsanteile gezeichnet und über Jahre keine Gegenleistung erhalten hat – sei es in Form von Strom, Fahrzeugen, Wohnraum oder Rückzahlungen – hat gute Chancen, diese Beteiligung juristisch anzugreifen. Dabei prüfen wir sowohl zivilrechtliche Rückforderungsansprüche als auch mögliche Verstöße gegen das Genossenschaftsgesetz.
Redaktion: Warum sollten sich Mitglieder jetzt melden?
Reime: Weil die Zeit drängt. Sollte die Genossenschaft in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten – was nach den vorliegenden Zahlen denkbar ist – müssen Gläubigerinteressen rechtzeitig gesichert werden. Wer jetzt nicht handelt, läuft Gefahr, im Fall der Insolvenz leer auszugehen.
Iwanow: Und weil jedes Mitglied ein Recht darauf hat, Klarheit zu bekommen. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen ihr Geld in ein angeblich soziales, gemeinschaftliches Modell stecken – und dann bei Problemen ignoriert oder hingehalten werden.
Redaktion: Was fordern Sie von der Genossenschaft?
Reime: Die CEHATROL Technology eG muss umgehend vollständige Transparenz schaffen: über ihre finanzielle Lage, über abgeschlossene und gescheiterte Projekte, über Mittelverwendung und Rücklagen. Es darf nicht sein, dass sich über 7.000 Mitglieder weiterhin auf Ankündigungen verlassen müssen, während real keine Gegenleistung erfolgt.
Iwanow: Sollte die Genossenschaft das nicht leisten – und wir sehen bisher keine echte Bereitschaft dazu – dann ist der Weg der juristischen Klärung unausweichlich. Die Mitglieder haben ein verbrieftes Recht auf Aufklärung, Rechenschaft und gegebenenfalls Rückzahlung.
Kontakt zur Interessengemeinschaft CEHATROL:
https://ig-cehatrol-technology-genossenschaft.de/