Dark Mode Light Mode

Paddeln für den Notfall: Astronauten trainierten Überleben auf See in Rostock

OpenIcons (CC0), Pixabay

Mit Schwimmweste, Rettungsinsel und Paddeln haben angehende Astronautinnen und Astronauten im Rostocker Hafenbecken ein ungewöhnliches, aber wichtiges Training absolviert. Ziel der Übung war es, den Ernstfall zu proben: den sicheren Umgang mit einer Notwasserung, falls eine Raumkapsel bei der Rückkehr zur Erde vom Kurs abkommt und im Meer landet.

Acht Astronauten aus sieben Ländern

Fünf Frauen und drei Männer aus sieben europäischen Ländern nahmen an der mehrstündigen Übung teil. Auf dem Programm standen verschiedene Szenarien, die bei einer unplanmäßigen Landung auf offener See auftreten könnten. Dazu gehörten das Abseilen in ein Rettungsboot, Schwimmen im Überlebensanzug, Paddeln mit einer aufblasbaren Rettungsinsel sowie das Zünden von Signalfackeln zur Standortbestimmung.

Das Training wurde von Sicherheitsexperten und Einsatzkräften begleitet, die normalerweise mit Seenotrettungen zu tun haben. Sie gaben den angehenden Raumfahrerinnen und Raumfahrern praktische Hinweise zum Verhalten in Stresssituationen.

Vorbereitung auf den Ernstfall

Auch wenn Raumkapseln für eine präzise Landung entwickelt werden, kann es bei einer Rückkehr in die Erdatmosphäre immer zu Abweichungen kommen. Eine Landung im Meer gilt daher als realistisches Szenario. Die Astronauten sollen in der Lage sein, sich selbst zu sichern, Erste Hilfe zu leisten und Rettungskräfte auf sich aufmerksam zu machen.

„Im All trainieren wir für die Schwerelosigkeit, hier unten üben wir für den Fall, dass wir mitten im Wasser auf Hilfe warten müssen“, erklärte ein Teilnehmer.

Tradition und moderne Anforderungen

Solche Überlebenstrainings haben eine lange Tradition in der Raumfahrt. Schon zu Zeiten der Apollo-Missionen in den 1960er-Jahren gehörte das Überleben auf See zum Pflichtprogramm der Astronauten. Heute setzt auch die europäische Weltraumorganisation ESA auf praxisnahe Übungen, um ihre Crews für alle Eventualitäten vorzubereiten.

Das Rostocker Hafenbecken bot dabei ideale Bedingungen: geschütztes Gewässer, aber dennoch realistische Herausforderungen wie Strömungen, Kälte und begrenzte Sicht.

Signalwirkung für die Zukunft

Die angehenden Astronautinnen und Astronauten absolvierten die Übungen erfolgreich. Neben den körperlichen Fähigkeiten stand vor allem Teamarbeit im Vordergrund: das gemeinsame Steuern der Rettungsinsel, gegenseitige Unterstützung beim Schwimmen und das koordinierte Absetzen von Notsignalen.

Mit der Ausbildung in Rostock setzen die Raumfahrtorganisationen ein Signal: Auch modernste Technologie ersetzt nicht die Fähigkeit, im Ernstfall eigenständig zu überleben. Für die künftigen Missionen ins All ist das Paddeln im Hafenbecken damit mehr als eine ungewöhnliche Übung – es ist ein entscheidender Baustein für die Sicherheit der Crews.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Kinderrechte ins Grundgesetz: Der Kinderschutzbund drängt auf Verfassungsrang

Next Post

Kunstaktion mit Hunderten Nackten: Spencer Tunick inszenierte Installation bei Granada