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Gera inszeniert sich als „Hauptstadt der Ostmoderne“ – Auftakt zum Tag des offenen Denkmals

MA05 (CC0), Pixabay

Heute startet der bundesweite Tag des offenen Denkmals in Gera und rückt dabei die Architektur der Ostmoderne ins Rampenlicht. Die Stadt in Ostthüringen, oft unterschätzt, präsentiert nicht nur ihre Schätze aus Neorenaissance, Jugendstil und Bauhaus, sondern hebt in diesem Jahr bewusst die expressiven Bauten der DDR-Zeit hervor.

Auftakt im Kultur- und Kongresszentrum

Die feierliche Eröffnung findet im Kultur- und Kongresszentrum Gera statt – einem markanten Bauwerk der DDR-Moderne, das mit seiner klaren Formensprache und großzügigen Dimensionen bis heute beeindruckt. Von hier aus soll das Interesse auf zahlreiche weitere Gebäude gelenkt werden, die bislang im Schatten bekannterer Baustile standen.

Ostmoderne im Fokus des Denkmalschutzes

„In diesem Jahr geht es darum, auch die architektonischen Zeugnisse der DDR-Zeit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, erklärt Geras Oberbürgermeister Kurt Dannenberg. Viele dieser Gebäude seien inzwischen gefährdet, weil sie nicht im klassischen Sinn als „schön“ gelten oder hohen Sanierungsaufwand erfordern. Dennoch spiegeln sie ein wichtiges Kapitel deutscher Bau- und Kulturgeschichte wider. Dannenberg kündigte an, sich verstärkt für den Erhalt dieser Denkmäler einzusetzen.

Ein „Palast der Republik“ in kleinerer Form

Ein besonderes Beispiel ist das ehemalige Haus der Kultur, das 1981 eröffnet wurde und heute mitten im Zentrum an der Einkaufspromenade steht. Kulturamtsleiter Felix Eckerle verweist gern auf seine symbolische Bedeutung: „Wer den Palast der Republik sehen möchte, muss nach Gera kommen.“ Tatsächlich gilt der Bau als kleinere Schwester des legendären, inzwischen abgerissenen Berliner Palasts – ein Relikt der DDR-Kulturarchitektur, das noch heute als lebendiges Veranstaltungszentrum genutzt wird.

Architektur für Entdecker

Neben diesem Bauwerk können Besucherinnen und Besucher weitere Beispiele der Ostmoderne entdecken: markante Wohnblöcke, Bildungsstätten und Kulturhäuser, die durch klare Linien, Betonfassaden und eine funktionale, zugleich oft experimentelle Formensprache geprägt sind. Viele dieser Gebäude erzählen Geschichten vom Alltag in der DDR und vom Selbstverständnis einer Gesellschaft, die mit Architektur auch ein politisches Signal setzen wollte.

Ein neues Kapitel der Wertschätzung

Der Tag des offenen Denkmals will diese Perspektive bewusst erweitern. Denn während Neorenaissance-Villen und Jugendstil-Fassaden längst als erhaltenswert gelten, ist der Blick auf die Bauten der Ostmoderne noch umstritten. „Es geht nicht darum, die DDR zu verklären, sondern die Vielfalt und den Wert dieser Architektur sichtbar zu machen“, so Eckerle.

Mit der bundesweiten Auftaktveranstaltung in Gera wird ein Signal gesetzt: Ostmoderne ist Teil der deutschen Baugeschichte – und die Thüringer Stadt zeigt, wie spannend und vielseitig dieser Teil des architektonischen Erbes sein kann.

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