Die Drogeriekette dm erweitert ihr Serviceangebot um digitale Gesundheitschecks – und sorgt damit für kontroverse Diskussionen. Kundinnen und Kunden können seit Kurzem ein Foto eines Leberflecks hochladen und sollen innerhalb von 24 Stunden eine Einschätzung zum Hautbild erhalten. Während dm das Angebot als zeitgemäße Ergänzung versteht, schlagen Fachärzte Alarm.
Fachärzte sehen Risiken für Patientensicherheit
Der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, Ralph von Kiedrowski, äußerte gegenüber dem MDR deutliche Bedenken. Das Angebot erfülle keine fachärztlichen Standards. In dermatologischen Praxen würden Spezialgeräte wie Dermatoskope eingesetzt, mit denen unter der Hautoberfläche liegende Strukturen sichtbar gemacht werden. Auf einem einfachen Foto seien diese Details nicht erkennbar. Dadurch könne eine ernsthafte Erkrankung, etwa Hautkrebs, übersehen oder falsch eingeschätzt werden.
Von Kiedrowski betonte, dass nur eine persönliche Untersuchung eine sichere Diagnose erlaube. Digitale Angebote könnten zwar Orientierung bieten, dürften aber nicht den Eindruck erwecken, eine vollwertige ärztliche Begutachtung zu ersetzen.
dm verteidigt das Konzept
Das Unternehmen weist die Kritik zurück. Gerade angesichts überfüllter Arztpraxen und teilweise monatelanger Wartezeiten könne der Service einen sinnvollen Beitrag leisten. Ziel sei es, Menschen niedrigschwellig Zugang zu einer ersten Einschätzung zu ermöglichen. So könnten mögliche Auffälligkeiten schneller erkannt und die Betroffenen gegebenenfalls frühzeitig an einen Facharzt verwiesen werden.
Telemedizin zwischen Chance und Herausforderung
Das Beispiel zeigt, wie groß die Spannungsfelder bei telemedizinischen Angeboten sind. Einerseits eröffnen digitale Gesundheitsdienste neue Möglichkeiten: Sie können Versorgungslücken schließen, Hemmschwellen senken und die Prävention stärken. Andererseits warnen Fachgesellschaften regelmäßig vor einer unzureichenden Qualität, wenn wichtige diagnostische Standards nicht eingehalten werden.
Auch rechtlich bewegt sich die Entwicklung in einem komplexen Umfeld. Zwar sind Telemedizin und Online-Sprechstunden inzwischen zugelassen, sie müssen aber klar definierte Voraussetzungen erfüllen. Anbieter stehen in der Pflicht, die Sicherheit und Verlässlichkeit der Verfahren zu gewährleisten.
Unentschiedenes Fazit
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Der Online-Check kann ein Hinweis sein – er ersetzt jedoch nicht den Besuch beim Hautarzt. Wer Veränderungen auf der Haut bemerkt, sollte sich trotz neuer digitaler Möglichkeiten weiterhin an eine Fachpraxis wenden.
Die Kontroverse um das dm-Angebot verdeutlicht, dass digitale Gesundheitsservices im Alltag zwar willkommen sind, aber ohne klare Qualitätsstandards Gefahr laufen, falsche Erwartungen zu wecken.