Eine internationale Fluggesellschaft ist zu einer Zahlung von knapp 80 Millionen Euro verurteilt worden, nachdem eines ihrer Flugzeuge in einer Notsituation große Mengen Kerosin über dicht besiedelten Wohngebieten abgelassen hatte. Das Urteil erging nach mehreren Sammelklagen von Anwohnern, Gemeinden und Umweltorganisationen.
Notablass mit Folgen
Der Vorfall ereignete sich während eines Linienfluges, als die Crew wegen technischer Probleme zur Sicherheit einen Teil des Treibstoffs ablassen musste, um das zulässige Landegewicht zu erreichen. Anstatt den Kraftstoff über unbewohnte Gebiete oder über dem Meer freizusetzen, wie es internationale Sicherheitsstandards vorsehen, wurde er jedoch über mehrere Wohnviertel verteilt.
Infolge dessen kam es zu Gesundheitsbeschwerden bei Anwohnern, darunter Hautreizungen und Atemprobleme. Zudem wurden Schulen und Spielplätze betroffen. Untersuchungen ergaben, dass sich der Treibstoff auf Häusern, Autos und in Gärten niederschlug.
Hohe Entschädigungssumme
Ein Gericht sprach nun betroffenen Gemeinden und Privatpersonen eine Gesamtsumme von rund 80 Millionen Euro zu. Diese umfasst sowohl Entschädigungen für Sachschäden als auch Schmerzensgeld und Kosten für Umweltsanierungen.
Kritik am Vorgehen der Airline
Luftfahrtexperten kritisieren, dass die Crew den Treibstoff in einem dicht besiedelten Gebiet abließ, obwohl alternative Routen verfügbar gewesen sein sollen. Die Fluggesellschaft verteidigte sich mit dem Hinweis, die Entscheidung sei aus Zeit- und Sicherheitsgründen getroffen worden. Dennoch stellte das Gericht fest, dass die Airline gegen internationale Vorschriften verstoßen habe.
Umwelt- und Gesundheitsgefahr
Das Ablassen von Kerosin ist grundsätzlich erlaubt, wenn es die Sicherheit des Fluges erfordert. Normalerweise geschieht dies jedoch in großen Höhen und über unbewohntem Gebiet, sodass sich der Treibstoff in der Luft zersetzt. Im vorliegenden Fall wurde das Manöver jedoch in geringer Höhe durchgeführt – dadurch gelangte das Kerosin nahezu unverändert auf den Boden.
Signalwirkung für die Branche
Das Urteil gilt als wegweisend: Es zeigt, dass Airlines künftig bei Pflichtverletzungen nicht nur mit Imageverlust, sondern auch mit hohen finanziellen Konsequenzen rechnen müssen. Umweltorganisationen fordern schon länger strengere Regeln und bessere Transparenz, wenn es um Treibstoff-Notablässe geht.