Frankreich, das Land mit traditionell kinderfreundlichem Image, diskutiert heftig über Hotels und Ferienresorts, die bewusst ohne Kinder werben. Was in anderen Ländern längst etabliert ist, sorgt nun zwischen Sommerferien und Politik für eine aufgeheizte Debatte: Sind kinderfreie Zonen ein legitimes Angebot – oder der erste Schritt in Richtung gesellschaftlicher Intoleranz?
Der Markt ist bislang winzig: Nur drei bis fünf Prozent aller Unterkünfte in Frankreich zählen zu den sogenannten „Adults only“-Angeboten. Doch gerade weil die Geburtenrate in Frankreich seit Jahren sinkt, rückt das Thema Kinder in den Mittelpunkt der Politik. Zwei prominente Stimmen treiben die Diskussion voran: Sarah El Hairy, Hohe Kommissarin für Kinder, und Laurence Rossignol, frühere Familienministerin und nun Senatorin. Beide fordern, dass Kinderverbote in Hotels oder Restaurants untersagt werden.
El Hairy argumentiert: „Wir institutionalisieren die Idee, dass Ruhe ein Luxus ist – und damit auch die Abwesenheit von Kindern.“ Wer Kinder ausschließe, stärke Vorurteile und setze Eltern unter Druck, ihre Kinder etwa mit Tablets oder Zeichentrickfilmen stillzuhalten. Sie lobte sogar einen Preis für die kinderfreundlichsten Orte Frankreichs aus, der im Herbst erstmals verliehen wird.
Rossignol geht noch weiter: „Wer keine Kinder mag, mag die Menschheit nicht.“ Kinderfreie Zonen seien für sie nicht Ausdruck von Komfort, sondern von wachsender Intoleranz. Ein staatliches Verbot solcher Regelungen sei daher notwendig.
Doch die Tourismusbranche hält dagegen. Anbieter und Gewerkschaften betonen, dass es schlicht um Nachfrage gehe. Weltweit boomen „Adults only“-Resorts – von Belgien über Griechenland bis Mexiko. In Frankreich selbst aber seien sie „extrem selten“, sagt die Gewerkschaft UMIH. Wer Ruhe suche, werde sonst ins Ausland abwandern.
Soziologe Vincent Lagarde von der Universität Limoges ergänzt: „Es geht nicht um Kinderhass, sondern um Erschöpfung.“ Ein Drittel der Gäste kinderfreier Hotels seien Eltern selbst – Menschen, die ihre Kinder lieben, aber eine Pause vom Familienalltag brauchen. Andere wünschten sich einfach ungestörte Paar- oder Freundeszeit.
Die Debatte spiegelt ein tieferliegendes Spannungsfeld wider: Ist Ruhe ein Luxusgut, das man sich erkaufen kann – oder ein gesellschaftliches Gut, das allen offenstehen sollte? Noch hat keine Familie juristisch gegen ein Kinderverbot geklagt. Doch angesichts des politischen Drucks könnte Frankreich zum ersten Land werden, das „Adults only“-Angebote gesetzlich beschränkt.