In Deutschland hat sich die Zahl der stationär behandelten Mädchen und jungen Frauen im Alter von 10 bis 17 Jahren mit einer Essstörung innerhalb von zwei Jahrzehnten verdoppelt. Das geht aus aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervor. Demnach stieg die Zahl der Krankenhausaufenthalte in dieser Altersgruppe von rund 3.000 im Jahr 2003 auf etwa 6.000 im Jahr 2023.
Langfristiger Vergleich zeigt besonderen Anstieg bei jungen Mädchen
Während die Gesamtzahl der stationären Behandlungen wegen Essstörungen über alle Altersgruppen hinweg im längerfristigen Vergleich relativ stabil blieb, ist bei jungen Mädchen ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten. Fachleute führen dies auf mehrere Faktoren zurück, darunter:
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zunehmender Schönheits- und Schlankheitsdruck,
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stärkere Präsenz unrealistischer Körperbilder in sozialen Medien,
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Leistungsdruck im schulischen und sozialen Umfeld,
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psychische Belastungen während und nach der Corona-Pandemie.
Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer
Essstörungen sind nach wie vor überwiegend ein weibliches Phänomen: 93,3 Prozent der im Jahr 2023 stationär behandelten Patientinnen und Patienten waren weiblich. Männer machen lediglich einen kleinen Anteil aus – auch, weil Essstörungen bei ihnen oft später erkannt oder diagnostiziert werden.
Häufigste Diagnosen und Krankheitsbilder
Zu den am häufigsten erfassten Essstörungen zählen:
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Anorexia nervosa (Magersucht): gekennzeichnet durch massiven Gewichtsverlust und eine verzerrte Selbstwahrnehmung.
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Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht): wiederholte Essanfälle mit anschließendem Erbrechen oder exzessivem Sport.
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Binge-Eating-Störung: unkontrollierte Essanfälle ohne kompensatorisches Verhalten, häufig verbunden mit Übergewicht.
Gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen
Essstörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Sie können schwere körperliche Schäden verursachen – von Herz-Kreislauf-Problemen bis hin zu irreversiblen Stoffwechselstörungen. Gleichzeitig belasten sie das familiäre Umfeld stark und erfordern oft lange stationäre und ambulante Therapien.
Prävention und Aufklärung dringend notwendig
Experten betonen, dass Prävention der Schlüssel sei, um den Anstieg zu stoppen. Dazu gehören:
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Aufklärungsprogramme an Schulen,
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Medienkompetenzförderung zur kritischen Reflexion von Schönheitsidealen,
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niedrigschwellige Beratungsangebote für Betroffene und Angehörige,
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frühzeitige psychologische Unterstützung, um eine Chronifizierung zu verhindern.
Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass die reinen Krankenhauszahlen nur einen Teil des Problems abbilden. Viele Betroffene werden ambulant behandelt oder suchen aus Scham und Angst vor Stigmatisierung gar keine Hilfe – was auf eine erhebliche Dunkelziffer schließen lässt.