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Ärztekammerpräsident kritisiert massive Verschwendung von Medikamenten – Neue Ansätze gefordert

Pexels (CC0), Pixabay

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat deutliche Kritik an der Art und Weise geübt, wie in Deutschland Medikamente verschrieben und verteilt werden. Präsident Johannes Albert Gehle sprach in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung von einem „erheblichen Problem“, das sowohl das Gesundheitssystem als auch die Umwelt stark belastet: Jedes Jahr landen in deutschen Haushalten Tonnen an Medikamenten, die nie oder nur teilweise eingenommen werden.

Nach Angaben von Gehle handelt es sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um einen flächendeckenden Missstand. Häufig würden Patienten größere Mengen verschrieben bekommen, als sie tatsächlich benötigen – sei es, weil eine Therapie vorzeitig beendet wird, weil Nebenwirkungen auftreten oder weil schlicht kein Bedarf mehr besteht. Die überschüssigen Präparate landen dann häufig im Müll oder werden unsachgemäß entsorgt, wodurch Arzneimittelrückstände ins Abwasser gelangen und langfristig Böden, Gewässer und die Trinkwasserqualität belasten.

Neben den ökologischen Risiken weist Gehle auf die massive finanzielle Belastung hin. Medikamente, die bezahlt, aber nicht genutzt werden, verursachen jedes Jahr Kosten in Millionenhöhe – Kosten, die letztlich von den Krankenkassen und damit von der Allgemeinheit getragen werden.

Um dieser Verschwendung entgegenzuwirken, fordert der Ärztekammerpräsident grundlegende Änderungen bei der Abgabe von Medikamenten. Ein Ansatz sei die Verordnung von kleineren Tages- oder Wochenpackungen, um Patienten zunächst nur die tatsächlich benötigte Menge zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Möglichkeit sieht Gehle in individuell kombinierten Präparaten, die exakt auf die jeweilige Therapie und den Patienten zugeschnitten sind. Dies könnte nicht nur die Verschwendung reduzieren, sondern auch die Therapietreue verbessern, da Patienten seltener vor einer großen Menge an Tabletten oder Kapseln zurückschrecken würden.

Darüber hinaus plädiert Gehle für mehr Aufklärung und Beratung – sowohl bei den verschreibenden Ärzten als auch in den Apotheken. Patienten müssten besser informiert werden, welche Mengen sie tatsächlich benötigen, wie Medikamente korrekt gelagert werden und wie eine umweltgerechte Entsorgung aussieht.

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe sieht in dieser Frage dringenden Handlungsbedarf, da das Problem seit Jahren bekannt ist, bislang jedoch kaum gezielte Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. Sollten keine Reformen erfolgen, sei zu erwarten, dass die Kosten- und Umweltbelastung weiter zunimmt.

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