Die Umstellung auf das digitale Passfoto sollte ein Meilenstein der Verwaltungsmodernisierung in Deutschland sein – stattdessen sorgt sie vielerorts für Frust, Unsicherheit und technische Pannen. Wie das Bundesinnenministerium jetzt bestätigt hat, dürfen Behörden in mehreren Regionen noch bis zum 30. September auf klassische Papierfotos zurückgreifen.
Ursprünglich war vorgesehen, dass seit dem 1. Mai 2025 neue Ausweisdokumente – wie Personalausweise und Reisepässe – nur noch mit vor Ort erstellten, fälschungssicheren digitalen Fotos beantragt werden können. Damit soll der Missbrauch von manipulierten Lichtbildern verhindert werden. Doch der Umsetzungsprozess läuft alles andere als rund.
Wie aus einem internen Papier hervorgeht, über das zuerst die „Bild“ berichtet hatte, hakt es vor allem bei der Softwareanbindung der neuen Foto-Terminals in den Bürgerämtern. In einigen Kommunen sei es bislang nicht möglich gewesen, die Geräte korrekt in die Verwaltungsnetzwerke einzubinden. Auch das Personal klagt über fehlende Schulungen und mangelhafte Unterstützung bei der Umstellung.
Zudem sorgt die neue Regelung bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für Verwirrung: Muss ich mein Foto jetzt noch selbst mitbringen? Gibt es vor Ort überhaupt ein funktionierendes Terminal? Wer übernimmt die Kosten? All diese Fragen erreichen derzeit im Minutentakt die Behördenhotlines.
Das Bundesinnenministerium hat auf die Kritik reagiert und die Übergangsfrist bis Ende September eingeräumt. Bis dahin dürfen die Ämter bei Problemen weiterhin analoge Lichtbilder akzeptieren. Ziel sei es, den Übergang möglichst bürgerschonend und praxisnah zu gestalten, hieß es aus dem Ministerium.
Langfristig soll die digitale Fotoerstellung jedoch flächendeckend Standard werden – nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch zur Vereinfachung behördlicher Abläufe. Doch bis dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein.